Wer Spaß bei der Arbeit hat, ist kein Profi?

Profilschärfung – aber jetzt ist Schluss mit lustig!

1 . Akt, 1. Aufzug:
„Das mache ich für mein Leben gern!“

Neulich Abend habe ich auf meinem Handy einen Anruf in Abwesenheit – unbekannte Nummer mit Bremer Vorwahl. Am nächsten Morgen rufe ich dort an und habe die Bremer Firma XY dran: Eine supernette Dame, herzlich und gut gelaunt.

Wir haben rasch geklärt, dass ich mit diesem Unternehmen gar nichts zu tun habe („Oh, da hat meine Kollegin gestern bestimmt einen kleinen Zahlendreher eingebaut, tut mir leid!“).

Inzwischen bin ich aber rettungslos in diese fröhliche Stimme am anderen Ende verknallt – und ich habe ein feines Ohr dafür, ob diese Fröhlicheit echt ist oder ob mein Gegenüber neulich erst beim Telefontraining war. Ich höre, ob jemand gerade wirklich gern mit mir redet und mich zum Beispiel freiwillig mit meinem Namen anspricht 😉 .

Das sage ich ihr auch: „Sie haben eine tolle Telefonstimme; es ist wirklich ein Vergnügen, mit Ihnen zu sprechen!“ Und da lacht sie und sagt: „Wissen Sie was? Ich telefoniere für mein Leben gern!!“

2. Akt, 1. Aufzug:

„Leidenschaft, die Zweite“

Szenenwechsel. Ich unterhalte mich auf einer Tagung in Frankfurt mit einem selbständigen Trainer, der in der Personalentwicklung arbeitet. Er erzählt zunächst begeistert von seinem letzten Urlaub in Indonesien, den er abseits der üblichen Touristenpfade verbracht hat. Es macht richtig Spaß, ihm zuzuhören!

Vor meinem inneren Auge entstehen wundervolle Bilder von Teeplantagen, Reisterrassen und Wasserfällen – wie schön ist das denn? Er erzählt von spannenden Begegnungen mit Einheimischen, ich bin mitten drin und  und kann all die leuchtenden Farben förmlich sehen!

2. Akt, 2. Aufzug :

„Es wird ernst!“

Nun sprechen wir über seinen Job – und zack! jetzt ist Schluss mit lustig.
Dieser Mann, der für große Unternehmen sehr spezielle Outdoor-Trainings als teambildende Maßnahmen konzipiert, hat plötzlich einen Stock verschluckt:

Es geht nur noch um Steigerung der Methodenkompetenz, außerdem um Lösungsfokussierung und handlungsorientierte Prozesssteuerung, Reflexionsergebnisse und evaluationsbasierte Erkenntnisgewinne. Anschließend wird das Ganze natürlich noch nachhaltig im Arbeitszusammenhang verankert.

Bullshitbingo - nein danke.

Bitte??

Der Mann arbeitet mit Menschen – da gäbe es doch so viel zu erzählen! Ich hätte so gern mehr darüber gewusst: Was für „Sand im Getriebe“ in so einem Team gibt es? wie schafft er es mit seinem Training, da an die Wurzeln zu gehen und wie wirkt sich das hinterher im Arbeitsalltag aus? Wie entstehen die Ideen für seine Teamtrainings und was macht ihm dabei besonderen Spaß?

Es war nichts zu wollen – er wiederholte in diversen Variationen die schon genannten Phrasen. Und bei meiner Frage nach seinem Spaß guckte er ziemlich ratlos. .

Nicht, dass wir uns missverstehen:

Leidenschaft ist ein sehr überstrapazierter Begriff.

Außerdem: Urlaub ist Urlaub und im Job ist nicht immer alles mit einer Blümchenranke umkränzt. Und natürlich ist das Mantra „Ich liebe, was ich tue“  nervig, wenn es bei jemandem  im Dauermodus  läuft.

Und trotzdem… unsere Arbeit darf und soll doch auch Spaß machen und das dürfen wir auch zeigen! Was bedeutet das, wenn sich jemand hinter solchen Textbausteinen versteckt – ist es die Angst, nicht ernst genommen zu werden, als unprofessionell oder inkompetent zu gelten? Ja, genau das.

„Wer Spaß bei der Arbeit hat, ist kein Profi.“

So  lautet der Untertitel  eines großartigen Artikels in einer brandeins-Ausgabe zum Thema Humorlosigkeit im BusinessZitat: „Das ist ein klassisches Verhalten von Gruppen und Menschen, die Angst haben, dass man sie nicht ernst nimmt.“

Perspektivwechsel gefällig?

Es gibt einen wundervollen Satz von meiner Kollegin Maren Martschenko, Markenberaterin aus München: “Entscheider identifizieren sich viel stärker mit dem Grund, warum ein Unternehmer etwas tut, als mit der Beschreibung dessen, was ein Unternehmen kann.”

Also: Wir überzeugen in erster Linie durch unsere Persönlichkeit. Unser Warum hat nämlich sehr viel mit Lust zu tun und dem, woran wir Spaß haben!! Klar, Kompetenz ist eine wichtige Voraussetzung für unseren Erfolg. Die müssen wir aber bei unseren Mitbewerbern ebenfalls voraussetzen – und genau das tun unsere Kunden nämlich auch.  Womit wir mal wieder beim Thema sind: Wie unterscheiden wir uns von der Konkurrenz, wie positionieren wir uns? Durch verbale Nebelbomben, leblose Phrasen, schon 1000x durchs Hirn gedrehte Floskeln? NEIN.

Und weil „Leidenschaft“ inzwischen auch schon so abgedroschen ist:

Hingabe_Meister Eckart

Ich finde, Hingabe ist ein wunderschönes Wort.

Bei aller Professionalität und meinetwegen auch bei aller branchenspezifisch üblichen  Diktion: Fragen Sie sich doch mal, was Sie in Ihrem Job so richtig mit Hingabe tun. Was macht Ihnen am meisten Spaß und warum, wann sind Sie mit Feuereifer bei der Sache, wo stecken Sie ganz viel Begeisterung rein?

Damit sind wir wieder am Anfang: Bei der gut gelaunten Bremer Lady mit der zauberhaften Telefonstimme: „Ich telefoniere für mein Leben gern!!“

Jetzt fragen Sie sich bitte mal selbst:

„Was mache ich denn für mein Leben gern?“

Und? Sehen Sie’s vor sich und haben Sie das damit verbundene Gefühl? Hüpfen Sie bei der Erinnerung daran schon wieder ein bisschen?

Dann schreiben Sie’s auf, speichern Sie dieses Bild und das damit verbundene Gefühl ab.
Und wenn Sie sich das nächste Mal mit jemandem darüber unterhalten, was Sie so beruflich machen, versuchen Sie, Ihren Job aus dieser Sicht zu beschreiben – das muss ja kein Akquisegespräch sein, sondern kann als Testlauf zum Beispiel auch erstmal auf einer Party stattfinden.

Probieren Sie ruhig ein bisschen herum:
Und zwar so, wie Sie von einem tollen Urlaub erzählen würden – damit im Kopf Ihres Gesprächspartners Bilder entstehen und er merkt, dass Sie richtig Spaß haben an dem, wovon Sie da reden.

Und wer weiß – vielleicht wirkt sich das auch auf zukünftige Akquise-, Verkaufs- und Beratungsgespräche aus… Womöglich sogar auf Ihre Website, Ihre Flyer, Ihre Präsentationen? Aber Achtung: Bitte widerstehen Sie unbedingt der Versuchung, jetzt einfach irgendwo die Formulierung „… ist meine Leidenschaft“  einfügen.

Ich wette mit Ihnen: Auch die Einkäufer von Seminar- oder Trainingsangeboten haben manchmal die Nase voll von all den Worthülsen. Mal ausprobieren?

Wie sehen Sie das? Und was macht Ihnen am meisten Vergnügen in Ihrem Job? Erzählen Sie doch mal…

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