Zuhören für Fortgeschrittene.

Heute ist der “International Day Of Listening”.

Im Englischen gibt es die schöne Unterscheidung zwischen to hear und to listen. Genau darum geht es: Wann habt Ihr es das letzte Mal erlebt, dass Euch jemand seine ganze Aufmerksamkeit schenkt und Euch mit aufrichtigem Interesse zuhört? Und dann nicht sofort erstmal selbst redet, sondern sich eine Zeitlang vollständig Euren Gedanken und Worten widmet?

Von meinen Mentoring-Kunden weiß ich, wie gut es ihnen tut, wenn sie das bei unseren Treffen und Telefonaten erleben. Und wir alle machen wahrscheinlich die Erfahrung:

Die meisten Menschen reden mehr, als dass sie zuhören.

Und wenn sie dann doch “zuhören”, fühlt es sich für uns oft trotzdem komisch an, oder? Irgendwie sind sie meistens doch nicht ganz bei der Sache, sind abgelenkt oder warten nur auf ihren Einsatz, um selbst erzählen zu können.

So richtig ungeteilte Aufmerksamkeit, Zuhören um des Zuhörens willen und aus ehrlichem Interesse findet man nicht oft. Und wir alle haben im Grunde die eine, tiefe Sehnsucht:

Gehört und gesehen zu werden.

Was braucht Ihr, damit Ihr das so empfindet? Wie fühlt Ihr Euch, wenn Euch jemand seine Zeit und uneingeschränkte Aufmerksamkeit schenkt? Versucht doch mal, das für Euch in Worte zu fassen.

Und umgekehrt – wie vermittelt Ihr jemandem dieses Gefühl? Ich bin überzeugt: Wir würden unser aller Umgang miteinander (und damit die Welt) ein ganzes Stück besser machen, wenn wir ab und zu unsere eigene Redezeit zugunsten des Zuhörens verkürzen und mit ehrlichem Interesse Fragen stellen würden.

Und das heißt übrigens NICHT:

Das gezielt als Führungstool zu nutzen, als Taktik im Sinne von Wer fragt, führt, als antrainiertes aktives Zuhören (hm-hm, hm-hm…), weil gute Führungskräfte das als Werkzeug zur Mitarbeiterführung einsetzen und das vor allem maximal empathisch und authentisch blabla.

Ich weiß nicht, wie es Euch geht – ich merke ziemlich schnell, wenn mein Gegenüber (was Gottseidank nur im Business-Bereich und auch nur selten passiert) irgendwelche Gesprächs- oder Kommunikationstaktiken anwendet. Und dann schlage ich innerlich sofort einen Haken und bin raus. Zack, Verbindung gekappt, ab sofort geht dann bei mir nur noch Oberflächliches.

“Der Trick beim Reden ist das Zuhören.”

Es geht um wirkliche Verbundenheit.

Lasst uns doch mal einen Tag lang Folgendes versuchen – zuhause, mit Freunden oder im Business: Wenn unser Gegenüber uns etwas erzählt, denken wir mal nicht schon darüber nach, was wir dazu sagen möchten, sondern lassen uns komplett auf den Anderen ein und hören einfach eine Zeitlang weiter zu. Schlüpfen in die Erlebniswelt und die Gedanken unseres Gegenübers, fragen vielleicht auch mal nach:

“Was hat Dir dabei am besten gefallen? Wie ist es Dir damit ergangen? Hast Du Dich besonders vorbereitet? Wie hast Du es geschafft, ruhig zu bleiben?”

Und wenn das, worüber der Andere spricht, “eigentlich” gar nicht so unser Thema ist?

Dann beschließen wir einfach mal, dass uns das jetzt interessiert. Weil wir es aufrichtig wollen. Einen Tag lang: Schaffen wir das? 😉

Übrigens: Die weltbeste Zuhörerin ist ein kleines Mädchen, das der wunderbare Michael Ende 1973 in die Welt geholt hat und das uns in seinem Buch “Momo” zeigt, wie es gehen kann:

Zuhören wie Momo.

“Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war das Zuhören.

Das ist doch nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen, zuhören kann doch jeder. Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur recht wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig.

Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte – nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme.

Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm plötzlich Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten.

Sie konnte so zuhören, dass ratlose, unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden.

Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf denen es überhaupt nicht ankommt, und er ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf – und er ging hin und erzählte das alles der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, dass er sich gründlich irrte, dass es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und dass er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war.

So konnte Momo zuhören!”

(aus Michael Ende: »Momo« Stuttgart 1973)

PS: Momo ist natürlich die allerbeste Zuhörerin. Meine Kunden sagen außerdem, ich sei darin auch richtig gut. Und ich mache das richtig gern. Rufen Sie mich doch mal an: Dann finden wir gemeinsam raus, ob ich etwas für Sie tun kann. Telefon 0172 / 427 88 93. Oder per Mail an gutentag@stephanie-wagner.de.

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