Achtung: Ein offener Brief von Ihrer Zielgruppe.

Liebe Unternehmer und liebe Profis in Sachen Marketing!

Sagen Sie mal – interessiert es Sie eigentlich, was mich beschäftigt? Achso, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt: Ich bin’s, Ihre Zielgruppe.


Falls Sie mich nicht genau erkennen können – ja, das Problem habe ich öfter. Viele von Ihnen sehen mich als eine Art undefinierbare graue Masse, reichlich verschwommen. Früher hat man versucht, mich in Kategorien zu stecken: von den DINKIS über die LOHAS bis zu den Digital Natives; mittlerweile sind wir bei den Digital Immigrants. Es ging weiter mit den Silver Agers, der Generation Y und inzwischen Z; ein netter Versuch ist auch die Umwidmung in “Zielpersona” – vom Plural zum Singular sozusagen. Da fühle ich mich doch echt gemeint!

Mal ernsthaft. Ich meine jetzt Sie, ja SIE. Sie sind Coach, Steuerberater, Anwalt oder Anbieter von IT-Lösungen. Wissen Sie, wo mich der Schuh drückt, worüber ich mich bei Ihren Branchenkollegen schon oft geärgert habe?

Was ist für mich wirklich wichtig in unserer Zusammenarbeit – und womit können Sie mich so richtig begeistern? Und um einen Schritt weiter zu gehen:

Wissen Sie, was ich auf Ihrer Website lesen möchte? Nein?

Das habe ich mir gedacht. Und ich glaube, ich weiß auch warum.

Zielgruppe. Mal ehrlich – um wessen Ziele geht’s hier eigentlich? Ihre oder meine?

Auf der Website einer Unternehmensberatung finde ich dazu Folgendes:
“Erfolgreiche Unternehmen sind 100% kundenzentriert (customer-centric)! Das Produktportfolio und die Marke werden aus der Perspektive des Kunden positioniert. Das ultimative Ziel ist es, den Kundennutzen nachhaltig zu steigern.”

Wiebitte?

Ich entdecke im Netz einen Steuerberater, der sich ebenfalls absolut unverwechselbar macht:
“Die Vorteile für unsere Mandanten liegen in der ganzheitlichen Beratung durch erfahrene Berufsangehörige, verbunden mit einem sehr persönlichen Engagement und belastbarer Zuverlässigkeit.”

Ein erfahrener, persönlich engagierter Steuerberater? Belastbare Zuverlässigkeit??

Nun suche ich eine Bank und staune über das nächste Wunschlos-glücklich-Paket:
“…bieten wir Ihnen partnerschaftliches, nachhaltiges Firmenkunden-Banking auf Augenhöhe.”
Aha. Deren Augenhöhe oder meine – muss ich mich also strecken oder kommen die zu mir runter? Oder umgekehrt?

Noch ein Beispiel, dieses Mal branchenunabhängig:

“Die Erarbeitung kundenspezifischer Problemlösungen, eine umfassendes Produktportfolio und die kontinuierliche Lieferfähigkeit aus regionalen Lagerstandorten sind die tragenden Säulen unseres Dienstleistungsangebotes: Damit stellen wir uns den Herausforderungen, die unsere Marktführerschaft mit sich bringt und darauf sind wir stolz.

Wie reden Sie eigentlich mit mir?

Ich hätte da einen Vorschlag:
Bündeln Sie meinetwegen alle Synergien, evaluieren Sie Ihre  Zielsetzungsstrategien, bilden Sie Kompetenzcluster  – aber verbannen Sie endlich dieses proaktive, nachhaltige, authentische Phrasendreschen aus Ihren Internetpräsenzen!

Kennen Sie eigentlich den Obststandl Didi?

Das ist “die Mutter aller Imagefilme”: eine großartige Persiflage auf all das Bullshit-Bingo, das im Marketing immer noch überall an der Tagesordnung ist. Holen Sie sich einen Kaffee, freuen Sie sich auf viereinhalb Minuten beste Unterhaltung  und pssst… überprüfen Sie dabei doch mal, ob sich auf Ihrer Firmenwebsite auch solche Worthülsen breitmachen.

Und wenn ja: Warum eigentlich? 😉

 

Jetzt mal Butter bei die Fische auf Ihrer Website:
Sind Sie ein Kundenversteher?

Schmeißen Sie alle nichtssagenden Formulierungen raus und überlegen Sie:
Was bringt mir Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung  – macht Spaß, spart Zeit, senkt Kosten, beschleunigt oder vereinfacht Abläufe und wenn ja : welche? Und wie wirkt sich das auf mich und mein Team aus?

Stellen Sie sich in meine Schuhe, überlegen Sie, was mir wichtig ist.

Ist Ihr Techniker ruckzuck vor Ort, wenn die Telefonanlage in meinem Unternehmen streikt? Erklären Sie mir in Ihrer Anwaltskanzlei Gesetztestexte und Schriftsatzdeutsch ausführlich (und gern!), bis ich beides verstanden habe? Was geht für mich besser, leichter oder zum 1. Mal, wenn Sie mich gecoacht haben?

Das betrifft noch einen Aspekt, der immer wichtiger wird, falls Sie Fachkräfte suchen:

Thema Employer Branding.

Abseits von all den Eierlegende-Wollmichsau-Formulierungen vieler Stellenanzeigen, ob auf Ihrer Website oder in Job-Portalen: Warum sollte ich mich bei Ihnen bewerben und mich bestenfalls auch für Sie entscheiden? Wie tickt Ihr Unternehmen?

Und falls Sie deutschlandweit 25 Niederlassungen haben, “stolz” auf irgendwas sind oder sich als Marktführer positionieren: Sagen Sie mir bitte, was ich davon habe!

B2B, B2C – oder was?

Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen. Wenn Sie das auch so sehen, dann freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen und werde Sie gern weiter empfehlen!

Herzliche Grüße, Ihre Zielgruppe.

EDIT:

Die Positionierung und Markenentwicklung meiner Kund:innen hat mir diverse Jahre großes Vergnügen bereitet. Von Anfang an hatte meine Arbeit auch Coaching-Elemente – und irgendwann merkte ich, dass mir das Coaching immer mehr Spaß machte als die Marketingthemen. Deshalb konzentriere ich mich seit Ende 2019 aufs Coaching für Menschen aus Management und Unternehmensführung.

Falls Sie aber als mein Coachee Lust bekommen, mit mir auch die Positionierung Ihres Unternehmens anzugehen: Dann lassen Sie uns drüber sprechen. 😉

Rufen Sie mich doch mal an. Tel.: 0172 / 427 88 93.
Ich freu mich auf Sie.

 Foto: ©pixabay

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.