Neulich, als der Durchhänger kam.

Kleiner Exkurs in Sachen Selbstfürsorge für Führungskräfte.

Wir erinnern uns: In Band Drei kippte Harry Potter nach dem “Besuch” der Dementoren 💀 im Hogwarts-Express um und bekam danach von Professor Lupin zur Aufmunterung und Stärkung Schokolade.

Zitat: “Hier”, sagte er zu Harry und reichte ihm ein besonders großes Stück. “Iss. Dann geht’s Dir besser.”

Er hatte Recht.

Ich kaufe mir sonst nur alle Jubeljahre Schokolade. Und ich bin an den allermeisten Tagen zuversichtlich und gut gelaunt, auch in diesem verrückten Jahr. Aber neulich Abend merkte ich im Supermarkt plötzlich und ohne erkennbaren Anlass, wie sich von ganz tief unten eine mächtige Tränenflut in mir aufbaute.

In der Öffentlichkeit weinen, ICH?? Oh Gott. 

Meinetwegen: Werbung. 😉

Plötzlich fiel mir Professor Lupins Zaubermittel ein: Schnell eine Tafel Schoki gegriffen, fix durch die Kasse und raus. Auf dem Weg zum Parkplatz liefen schon die Tränen, ich konnte nichts dagegen machen.

Im Auto sitzend bin ich dann durch eine veritable Heul-Welle hindurch getaucht – und habe währenddessen die ganze Tafel aufgegessen. 100 Gramm in zehn Minuten.

Hat gut getan. Beides: Die Tränen nicht wegzudrücken und die Schokolade (die auf dem Foto schon alle war).

Eine Kundin, Zahnärztin mit großer Praxis (auch die ZÄ und ihre Teams sind gerade großen, zusätzlichen Belastungen ausgesetzt), sagte letzte Woche am Telefon:

“Bei aller positiven Grundhaltung: Dieses Jahr kostet echt Kraft – das macht was mit den Menschen. Und mit mir.”

Ja, das tut es. Und deshalb:

Bitte geh in diesen verrückten Zeiten mit Dir selbst genau so fürsorglich und verständnisvoll um, wie Du es mit anderen machst: Mit den Menschen in Deinem Team, Deiner Familie und Deinem Freundeskreis.

Auch und gerade, wenn Du Führungsaufgaben wahrnimmst.

Als Unternehmer:in oder Manager:in beeinflusst Du maßgeblich die Unternehmenskultur und bist auch hier ein Vorbild. Deshalb: Gesteh es Dir zu, wenn sich Deine gewohnte innere Stärke und Stabilität mal in eine Ecke verkrümelt und stattdessen tatsächlich so etwas wie Schwäche um Aufmerksamkeit bittet. 😉

Drück die nicht dauerhaft weg.

Es gibt jede Menge Quickies, die uns helfen, uns wieder in eine positive Stimmung zu versetzen, wenn die Wolken mal sehr tief hängen. Darüber habe ich auch schon mal gebloggt: “Was mir sofort hilft, wenn gerade alles blöd ist.”

Gleichwohl ist es kein hilfreiches Konzept, das immer zu tun. Solche “unerwünschten” Gefühle ähneln nämlich einem prall aufgepusteten Wasserball: Versuch mal, den dauerhaft unter die Wasseroberfläche zu drücken – sowie Du loslässt, ploppt der unweigerlich irgendwo wieder hoch.

Kennst Du die Analogie mit den Sauerstoffmasken im Flugzeug?

Die Sicherheitsunterweisung im Flieger haben wir alle oft genug gehört, und wir kennen die oberste Regel:

Wenn die Dinger wegen eines Druckabfalls in der Kabine plötzlich runterbaumeln, zuerst sich selbst eine aufsetzen, dann anderen helfen.

Fürsorge für andere setzt nämlich Selbstfürsorge voraus.

Sonst funktioniert das auf die Dauer nicht – und Du ebenso wenig. Wenn sich bei Dir also (wie neulich bei mir) mal ein Durchhänger meldet, Du gerade etwas ratlos, mutlos oder verzagt bist: Bitte geh freundlich und nachsichtig mit Dir selbst um und gib dem Gefühl ein bisschen Platz (weil sonst: Wasserball, siehe oben.).

Einem durch Überbelastung verhärteten Muskel gönnt man ja auch erstmal Schonung, richtig? Sonst fällt der irgendwann komplett aus – und das nützt niemandem etwas.

Mach etwas, was Dir gut tut. Hund streicheln, mit den Kids auf dem Sofa kuscheln, Waldspaziergang, eine Runde heulen, Lieblingsserie gucken – was fällt Dir noch ein?

Und all das ganz besonders dann, wenn Du es als typischer High Performer gewohnt bist, im Job Zuversicht zu vermitteln: Du hast nämlich auch hier eine Vorbildfunktion (siehe oben, Sauerstoffmaske und so).

Und: Trau Dich, darüber zu sprechen.

Du wirst feststellen, dass es anderen (auch den anderen sonst immer so toughen Leuten) ähnlich geht, sie womöglich sogar erleichtert sagen “Oh, ich hätte nicht gedacht, dass Du auch…”

Überleg mal: Was könnte Dir gut tun?

Es hilft, sich vorher schon ein paar Gedanken zu machen – dann fällt das Ding mit der Selbstfürsorge nämlich leichter, wenn der Durchhänger da ist. Kluge Strategien sind in diesen verrückten Zeiten besonders angesagt.

PS: Meine Mentoring-Kunden empfinden es als große Erleichterung, dass sie sich mir auch über Sorgen, Zweifel und Unsicherheiten sprechen können – ohne Angst, ggf. jemanden damit zu belasten. Falls Du mehr darüber wissen möchtest, ob eine Zusammenarbeit das Richtige für Dich sein könnte: Gern. Einfach anrufen:  0172 / 427 88 93.

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