Lust auf einen starken Auftritt?

Dieser Artikel entstand aus meinem Vortrag in der Handelskammer Hamburg (in Kooperation mit den Digital Media Women): Rund 240 Unternehmerinnen, mein bisher größtes Publikum, aufregend!! Thema: “Schluss mit dem Tiefstapeln: Das eigene Business endlich souverän präsentieren.”

Wegen der großen Resonanz habe ich versprochen, das Skript in einen Blogartikel umzuwandeln. Et voilà! Und Achtung: Es wird persönlich.

Guten Abend. Eine Frage:
Warum sollten Ihre Kunden eigentlich ausgerechnet SIE beauftragen? Und verzichten Sie bei der Antwort bitte mal auf das Bullshit Bingo, das in Ihrer Branche so üblich ist:

Kompetent, ganzheitlich, nachhaltig, zuverlässig, innovativ, kreativ, wertschätzend, auf Augenhöhe; Sie wissen schon.  Und streichen Sie auch all das Bullshit Bingo der neuen Generation wie disruptiv, agil, kollaborativ, Digital Leadership usw.

Das sagen nämlich ALLE.

Haben Sie vielleicht gerade in Gedanken Ihre eigene Website gescannt und einiges davon wieder gefunden? Wenn ja: Sagt das wirklich etwas etwas über Sie aus? Wir können noch so gut sein in dem, was wir tun: Kunden entscheiden sich in erster Linie für uns, weil sie uns vertrauen.
Und dazu ist es wichtig, dass wir etwas von uns zeigen – aber auch, was wir über uns selbst denken.

Ich habe Ihnen ein paar Sätze mitgebracht, probieren Sie die bitte jetzt aus.

Am besten halblaut vor sich hinsprechen, müssen Sie aber nicht. Dann diese Aussagen sind nichts, was wir dauernd rausposaunen müssten. Aber wie sieht es mit Ihrer inneren Überzeugung aus? Beobachten Sie sich mal dabei, ob Sie sich das glauben, was Sie jetzt sagen:

Ich weiß, was ich will und was ich kann, und das sage ich auch.
Ich weiß, was ich wert bin.
Ich weiß, was mein Angebot wert ist, deshalb nehme ich dafür gutes Geld und bekomme das auch.
Ich bin nämlich toll, und ich bin teuer.
Und ich bin richtig stolz auf mich.

Na, wie war das? Gingen die Sätze gut runter? Oder hatten Sie eher den Gedanken: Pfff… ganz schön eingebildet! Darf man (und vor allem frau) sowas über sich selber sagen? Oder vielleicht dachten Sie auch, hm, das passt sicher für ganz viele Frauen hier im Saal –  aber für mich leider nicht… Für alle diejenigen unter Ihnen, die sich damit schwer getan haben: Ich weiß, wie sich das anfühlt. Ich kenne diese Selbstzweifel sehr genau.

Ich war nämlich den allergrößten Teil meines Lebens die heimliche Queen of Selbstzweifel. Wie sich Erfolg wirklich anfühlt, weiß ich erst seit etwa zwei, drei Jahren.

Und ich habe in dieser Zeit etwas gelernt, was fürs Business eine entscheidende Rolle spielt: Unser wichtigster Unternehmenswert ist unser persönlicher Selbstwert. Sich stark und frei zu fühlen, beeinflusst alles: Unsere Positionierung im Leben genauso wie unsere Marke, unsere Preise, die Kunden, die wir haben und wie unsere Mitarbeiter und Führungskräfte ticken.

Ich verrate Ihnen etwas, worüber ich öffentlich noch nie gesprochen habe. Und auch im kleinen Kreis habe ich das bislang nur selten erzählt.

(Anmerkung: Auch jetzt, während ich tippe, um das Skript in einen Blogartikel umzuwandeln, ist da immer noch eine leise Hemmschwelle. Denn was ich auf der Bühne erzähle, ist vielleicht bald vergessen – was ich hingegen schreibe, bleibt. Aber die Zeiten, dass ich mich für das, was jetzt kommt, defizitär gefühlt habe, sind jetzt mal offiziell vorbei. Der Impuls, damit wirklich rauszugehen, ploppte übrigens schon vor knapp einem Jahr auf. Wie es dazu kam, kann man bei Interesse als Anmerkung unter dem Artikel nachlesen. Sonst wird dieser Einschub hier zu groß. 😉 .)

Und ich erzähle Ihnen das, um Ihnen zu beweisen:

Das mit den Selbstzweifeln können wir ändern, auch wenn wir sie viele Jahre mit uns rumgeschleppt haben.

Ich bin nämlich ein Schulversager.

Ich bin in der 9. Klasse zwei Mal nicht versetzt worden und mit dem Hauptschulabschluss vom Gymnasium geflogen. Mathe 5, Physik 5, Chemie 5. Ich konnte mich auf den Kopf stellen, ich habe das einfach nicht verstanden. In der Nachhilfe lichtete sich der Schleier zwar immer – aber jedes Mal, wenn dann in der Klassenarbeit die Aufgabenzettel ausgeteilt wurden und ich zu lesen anfing, breitete sich in meinem Kopf eine bleierne Leere aus. Unaufhaltsam und vollständig, ein ums andere Mal, immer wieder – und jedes Mal wurde das Versagen größer und mein Ich kleiner.

Also: Hauptschulabschluss. Mathe, Physik, Chemie: Fünf. Die Einsen und Zweien in Fächern wie Deutsch, Englisch, Geschichte, Gemeinschaftskunde (so hieß das damals noch) nützten nix. Den Ausschlag gab das, was ich NICHT konnte, das andere war faktisch nichts wert. Also Totalausfall, weil doof: Das hatte ich ja schriftlich.

Und das habe ich verinnerlicht, für viele Jahre. Übrigens wüte ich deshalb bis heute gegen unser Schulsystem, das  Kinder noch immer in eine starre Form pressen will. Damals bin ich natürlich nicht auf die Idee gekommen, dass das SYSTEM nichts taugt – ich bin davon ausgegangen, dass ICH nichts tauge.

So bin ich also in mein Erwachsenenleben und in mein Berufsleben gestartet mit der Überzeugung: Ich bin wahrlich nicht die hellste Kerze auf der Torte. Es gibt nichts, was ich wirklich gut kann, das auch wirklich ETWAS WERT IST.

Das war meine Grundüberzeugung, für viele Jahre – aber psssst! das habe ich mir natürlich nicht anmerken lassen. Mein beruflicher Weg hat sich trotz allem nach außen hin gut entwickelt: Realschulabschluss auf einer anderen Schule, Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau.

Ich habe Incentive-Events für große Firmenkunden organisiert und bin in diesem Job weltweit unterwegs gewesen, habe später dann unter anderem als Verantwortliche für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation gearbeitet. Das sah sicher alles ganz gut aus.

Dass ich aber im Grunde “schwer von Begriff bin, einfach eine schlechte Auffassungsgabe habe, nix wirklich gut kann”: Das war als Datei zuverlässig auf meiner inneren Festplatte verankert.

Die Folge: In meinen Angestelltenjobs war ich folglich nie wirklich mit Freude dabei; ich fühlte mich immer wie eine Mogelpackung und hatte NIE die innere Überzeugung:
Ich kann wirklich was, und es ist gut, dass es mich gibt!

Heute kann ich das sagen, und das ist ein völlig neues Lebensgefühl. Und das erzähle ich Ihnen, damit Sie nicht denken: Ja, toll, die steht da oben super selbstbewusst auf der Bühne, was weiß die schon…

Sondern damit Sie wissen:  Ich kenne diese dunklen Ecken, ich komme da her. Ich kann jeden noch so bescheuerten negativen Glaubenssatz nachvollziehen, weil ich sie fast alle selbst durch habe. Und deshalb darf ich hier stehen, schlau rumschnacken, Sie ermutigen und Ihnen ordentlich Wind unter die Flügel pusten – wenn Sie möchten.

Und deshalb weiß ich, dass man diese fiesen Trojaner von der inneren Festplatte löschen kann. Übrigens schleppen ganz viele Menschen die mit sich rum – das merkt man ihnen bloß nicht an, genau wie bei mir. Das hat auch einen Namen: Googeln Sie mal “Impostor Syndrom”. Kennen Sie das Buch “Lean in” von Sheryl Sandberg, der früheren COO von Facebook? Die bekennt sich ebenfalls dazu.

Und es begegnet mir auch bei meinen Kunden immer wieder.

Ich bin seit fünf Jahren selbständig, und zu mir kommen Einzelunternehmer und kleine  Mittelständler, die sich eine klare Positionierung wünschen; Gründer ebenso wie “alte Hasen”. Die wollen eine echte Marke werden oder sich mit ihrer Marke weiterentwickeln.

Erinnern Sie noch mal sich an die Frage vom Anfang:

“Warum sollten deine Kunden ausgerechnet dich beauftragen? Warum ist es cool, gerade mit dir zu arbeiten, was sind deine Stärken, was kannst du besonders gut?” Da geht es ans eigene Selbstbild, an das eigene Selbstverständnis – und das fällt auch den Männern manchmal schwer. Aber damit haben vor allem meine KundINNEN ein echtes Problem.

Da passiert nämlich  in 8 von 10 Fällen Folgendes:

“Ups. Oh, Frau Wagner… meine Stärken… nee, das ist mir unangenehm, mich so zu belobhudeln, ich mach nicht gern so’n Aufhebens um meine Person. Das wirkt so selbstverliebt, so unbescheiden… nee, das liegt mir gaaar nicht.”

“Selbstverliebt”.

Liebe Frauen, wie wär’s, wenn wir uns mal wieder ein bisschen in uns selbst verlieben?

Und wenn wir verstehen, wie wir ticken? Wir haben nämlich fast alle noch ein bestimmtes Schema im Kopf:

Was ist typisch Mann und typisch Frau? Sie wissen schon:
Männer setzen sich durch, Frauen sind bossy.
Jungs sind gut in Mathe, Mädchen können besser Sprachen.

Wo kommt das eigentlich her? Es fängt richtig früh an. „Mädchen, die schreien und Hennen, die krähen…“ Wer kennt das noch, wer weiß, wie der Spruch weitergeht? (Ich habe die Frage ins Publikum gestellt.)

„…muss man beizeiten die Hälse umdrehen.“ (Im Publikum Lachen, Nicken und Mitsprechen seitens der Frauen meiner Altersgruppe, entgeisterte und ungläubige Gesichter bei den Jüngeren.)

Oder sehr schön ist auch „Sei wie das Veilchen im Moose, sittsam, bescheiden und rein… und nicht wie die stolze Rose, die stets bewundert will  sein.“ Das wurde den Frauen meiner Generation noch in die Poesiealben geschrieben – die Jungs bekamen da ganz andere Sprüche rein.

Gegenfrage: Wer kennt das NICHT? (Auch das habe ich ins Publikum gefragt, und es gingen sehr viele Hände hoch.) Sie, die jüngeren Frauen, sind von diesen Sprüchen zwar verschont geblieben, aber bedenken Sie bitte:

Ihre Großmütter und auch Ihre Mütter sind wahrscheinlich noch so erzogen worden. Übrigens auch die Großmütter und Mütter heutiger Führungskräfte, Projektverantwortlicher, Politiker usw. – die haben dieses Frauenbild weitergegeben.

Und das geht heute immer noch weiter, nur nicht mehr ganz so vordergründig. Jungs und Mädchen lernen von klein auf ganz unterschiedliche Verhaltensweisen, und die bringen sie sich in ihren “Peergroups” auch  gegenseitig bei. Und die Gesellschaft verstärkt das auch noch. Gleiches Verhalten von Männern und Frauen wird völlig unterschiedlich bewertet – und zwar von BEIDEN Gruppen, von Männern UND von Frauen.

Überspitzt formuliert:

Jungs schreien „HIER!“ und haben Spaß am Wettkampf, Mädchen wollen dünn sein und reden eben mehr.

Und deshalb schreiben in vielen Unternehmen bei Konferenzen die Frauen die Protokolle, kochen Kaffee und übersetzen die Powerpoint-Folien für den Standort Paris, anstatt das Projekt dort zu leiten.       .

Und deshalb machen Männer sich viel weniger Gedanken, ob sie alle Anforderungen für eine Führungsposition erfüllen:

„Erstmal bewerben und wenn das geklappt hat, dann mach ich mir ´n Kopp, wie ich es anpacke.“ Und wir wissen ja alle: Das funktioniert oft genug.  Und damit sind wir beim Thema:

We teach our boys to be brave and our girls to be perfect.

Perfektionismus: Wer HAT denn eigentlich den höchsten Perfektionsanspruch an uns? (Die Antwort kommt nach kurzer Pause vielstimmig aus dem Publikum:) Wir selbst!

Wer einen starken inneren Kritiker hat, braucht keine Feinde.  Und wir erinnern uns: Unser wichtigster Unternehmenswert ist unser persönlicher Selbstwert. Das gilt natürlich auch für Männer, aber wir gucken uns das heute unter frauenspezifischen Aspekten an.

Fragen Sie sich bitte mal: Was bin ich mir selbst eigentlich wert? Was ich von anderen erwarte, sollte ich mir als Erstes selbst zugestehen. Also DARF ich das eigentlich alles, was ich hier so will, steht mir das zu, “so viel Geld” von meinen Kunden zu verlangen? Gebe ich mir selbst die Erlaubnis?

Und können Sie sich vorstellen, dass Männer bei mir in der Beratung viel weniger Probleme damit haben, angemessene Preise für ihre Angebote festzulegen? “Premiumprodukte” zu entwickeln und die genau so zu nennen und damit überhaupt keine Bauchschmerzen zu haben?

Nächster Punkt: Sich im Business sichtbar machen, das heißt, ich will meinen Platz einnehmen, etwas bewegen, Einfluss haben.

Das heißt auch, ich brauche Macht. Macht ist vor allem für viele Frauen ein sehr schwieriges Wort. Was verknüpfe ich mit Macht? Will ich sie wirklich haben? Da ist eine Entscheidung fällig. Denn wenn ich Klarheit und Präsenz nicht nur haben, sondern auch wirklich ausstrahlen will, dann passiert Folgendes:

Dann wird mich nicht mehr jeder mögen. Halten wir das aus? Wenn ich mich als Unternehmerin wirklich sichtbar machen will, muss ich mich entscheiden: Dann kann ich nicht mehr die Farbe meiner Umgebung annehmen und unterm Radar durchfliegen. Und genau das tun wir, wenn wir uns hinter all dem Bullshit Bingo verstecken, erinnern Sie sich an den Einstieg von vorhin? Kompetent, authentisch, ganzheitlich… Lauter verbale Nebelbomben. Eine klare Positionierung geht anders.

Ich mache mich hier heute Abend sehr sichtbar und positioniere mich auch ganz schön eindeutig. Ich laufe hier auf der Bühne herum, rede so, wie mir der Schnabel gewachsen ist, und es ist mir völlig egal, ob ich meine Hände während des Vortrags “auf Bauchnabelhöhe”, also in einer “neutralen Zone” halte. Solche Tipps für Speaker gibt’s tatsächlich!

Ich zeige etwas von mir, und damit gehe ich das Risiko ein, dass einige von Ihnen das nicht mögen und mich blöd finden. Oder zumindest sagen, nee, die ist nicht so mein Fall. Das muss ich aushalten: Das ist der Preis für meine Sichtbarkeit.

Aber wer uns so, wie wir wirklich sind, nicht mag – den könnten wir als Kunden auch nicht wirklich zufrieden stellen, oder?

Also: Macht in Anspruch zu nehmen, Klarheit auszustrahlen UND von allen weiterhin gemocht zu werden, geht nicht. Und weiblicher Charme ist im Business durchaus hilfreich, aber Charme hin oder her: Ab einem bestimmten Punkt ist Klartext angesagt.

Eine wichtige Voraussetzung für Macht ist, respektiert zu werden. Wir erinnern uns: Was ich von anderen erwarte, muss ich mir erstmal selbst geben.

Gehen SIE eigentlich respektvoll mit sich um? Es heißt doch immer, man soll sich selbst der beste Freund sein… Jetzt stellen Sie sich bitte vor, Ihre beste Freundin mustert Sie sehr kritisch und sagt:

“Da sind schon wieder neue Falten. Du siehst bald aus wie ein Shar Pei.
Augenringe werden auch nicht weniger, und fett geworden biste…
Arsch wie’n Brauereipferd und dass du das mit dem regelmäßigen Joggen nicht durchhältst, war doch wieder klar.
Dusselige Kuh.”

Ist das ein respektvoller, liebevoller Umgang mit sich selbst? Ich sag nur: Badezimmerspiegel, morgens früh, 24fache Vergrößerung. Kennen Sie, oder? Welcher MANN macht das bitte?

Wir erinnern uns: Unser Selbstwert als wichtigster Unternehmenswert. Was bin ich mir selbst wert? Lassen Sie uns mal über Liebe reden: Nämlich über Selbstliebe.

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ heißt nicht, dass wir unterschiedslos jeden abliebeln müssen, der uns vor die Flinte läuft.

Es impliziert, dass wir uns zunächst mal selbst lieben – ohne Wenn und Aber und von ganzem Herzen. Dass wir uns selbst mit Nachsicht und Wohlwollen begegnen. Bedingungslose Liebe ist etwas, das wir uns alle wünschen. Die dürfen wir uns dann erstmal selbst geben. Wollen wir damit nicht endlich mal anfangen?

(Es wurde für einen Augenblick ganz still im großen Saal der Handelskammer. Dann pflanzte sich Nicken und Lächeln durch die Reihen fort: Gänsehautmoment, Räuspern.)

Soweit der theoretische Teil. Jetzt wird’s praktisch.

Kommunikation im Businessalltag, speziell im Umgang mit einer bestimmten Spezies von männlichen Geschäftspartnern, die vielleicht noch bestimmte Eigenarten an den Tag legen. Sie wissen schon. 😉

Also, füllen wir unsere Werkzeugkiste. Und bitte: Wir wollen uns nichts künstlich antrainieren, also nehmen Sie sich davon jetzt wirklich nur das mit, was für Sie passt! Was ich Ihnen jetzt erzähle, funktioniert gut für mich; ob es gut für Sie ist, entscheiden Sie selbst.

Als erstes SPRACHE. Wir Frauen haben von klein auf gelernt: Sprache ist ein verbindendes Element. Dabei kommt es aber nicht nur auf die Inhalte an. Unsere Stimme ist ein wichtiges Instrument.

STIMMLAGE.
Falsett ist nicht wirklich hilfreich. Wenn wir angespannt sind oder unbedingt überzeugen wollen, sprechen wir oft HIER OBEN im Kehlkopfbereich. Das klingt im schlimmsten Fall nicht gerade souverän. Wenn Sie stattdessen Volumen in der Stimme haben wollen, gehen Sie für einen Moment gedanklich in Ihren Brustkorb. Legen Sie die Hand hier oben auf den Brustkorb und machen “Hmmmm…”. Fangen Sie mit diesem Ton oben  an und gehen dann mit der Stimme runter: Wenn Sie die Vibration in Ihrer Handinnenfläche spüren – ungefähr dort ist Ihr stimmliches Zuhause. Hören Sie den Unterschied? Das heißt nicht, dass wir jetzt alle zu Zarah Leander mutieren sollen, aber probieren Sie damit beim Sprechen mal ein bisschen herum (Ich habe das mit dem Publikum zusammen ausprobiert. Klang gut. 🙂 ).

LAUTSTÄRKE.
Wenn Sie nämlich aus dem Brustkorb sprechen, haben Sie automatisch mehr Volumen und brauch auch nicht so laut zu reden: Man wird Sie auch so verstehen. Wir erinnern uns kurz an Meryl Streep in “Der Teufel trägt Prada”, wissen Sie noch? “Verschonen Sie mich mit den Details Ihrer Inkompetenz.” Seidenweich! Ja, das ist fies, und wir wollen auch nicht zur Zicke mutieren, aber haben Sie als Frau schon mal mit einem Handwerker vom alten Schlag diskutiert? Sie glauben gar nicht, wie wirkungsvoll das sein kann.

SPRECHTEMPO.
Sprechen Sie LANGSAMER. Je schneller Sie sprechen, desto eher steigen die meisten Männer wahrscheinlich aus.

Deshalb:  Fahren Sie das Tempo lieber etwas runter und geben Sie damit dem, was Sie sagen, die Bedeutung, die es hat. Außerdem: Anzahl der Wörter reduzieren, kürzere Sätze. Übrigens auch gut für Vorträge und jede Art von Text.

Machen Sie am Ende eines Statements einen PUNKT mit Ihrer Stimme – kein Fragezeichen.
Wir Frauen neigen nämlich dazu, genau das zu tun:
Ich bin überzeugt davon, dass dieses Projekt ein Erfolg wird?
Sie können sich auf mich verlassen?
Ich möchte diese Diskussion jetzt beenden?

Sagen Sie das mal in beiden Varianten. Was klingt überzeugender? Also, machen wir am Ende einer klaren Aussage einen Punkt. Hilft übrigens auch im Umgang mit Teenagern. Ein Tipp: Wie wir uns tatsächlich anhören, kriegen wir ganz einfach raus, indem wir die Sprachnachrichten nochmal abhören, die wir anderen schicken.

Wohlgemerkt: Es geht nicht darum, jetzt kontrolliert, gekünstelt und aufgesetzt zu reden. Aber zu wissen, wie wir beim Sprechen rüberkommen, ist sehr hilfreich: Dann können wir entscheiden, ob wir was ändern wollen.

Jetzt nehmen wir an, Sie haben einen wichtigen Auftritt, z. B. Vortrag, Präsentation beim Kunden usw.: Wärmen Sie Ihre Stimme und Ihr Equipment auf! Und was jetzt kommt, ist übrigens keineswegs frauenspezifisch, das machen zum Beispiel Vortragsredner, bevor sie auf die Bühne gehen.

Stehen Sie doch bitte alle mal auf, jetzt kommen sechs Übungen, die Sie vor jedem wichtigen Gespräch nochmal schnell  machen können, im Waschraum oder zur Not im Auto auf dem Parkplatz:

1. Arme hoch, tief einatmen, mit einem Seufzer ausatmen, aaaaaah…
2. Lippen aufwärmen: ba, ba, ba, ba, ba
3. Und jetzt brrrrrrrr, wie früher als Kind!
Die Lippen sind jetzt aufgewärmt, jetzt kommt die Zunge:
4. La, la, la, la, la, la, la und jetzt
5. Rollen Sie ein R: rrrrrrrrrrrrrrrr
Und dann machen Sie noch die Sirene und gehen dabei mit den Armen hoch und runter, in die Knie:
Wiiiiiiieeeooouh, wiiiiiieeeeoooouuhh, wiiiiieeeooouh…

Dankeschön, Sie können sich gern wieder setzen (Es haben tatsächlich alle 240 Zuhörerinnen unter viel Gelächter  mitgemacht! 🙂 ).

Noch drei weitere Tipps:

Machen Sie eine spezielle WÖRTER-DIÄT:
Streichen Sie Vielleicht, man, sollte, eigentlich, oder? Und vor allem streichen Sie: “Oder nicht…?”

„NEIN.“ Ist ein vollständiger Satz.
Wenn ich das in meinen Vorträgen sage, seufzen viele Frauen immer ganz sehnsüchtig. Aber wer bestimmt denn eigentlich, ob das ein ganzer Satz ist? Ich habe neulich einen wundervollen Begriff gehört: Rechtfertigungsfreie Kommunikation. Das können Sie auch zuhause bei Ihren Teenagern ausprobieren, falls Sie welche zur Hand haben. Sagen Sie doch einfach mal „Nein.“ Sagen Sie nicht „Nein…?“ Und vor allem nicht “Nein, okay…?”
Und dann sagen Sie nichts mehr und halten die Gesprächspause aus. Oder lächeln freundlich, drehen sich dann um und gehen. PENG.

SPRECHPAUSEN aushalten.
Sie sind nicht dazu da, das Gespräch in Gang zu halten. ODER…? 😉

Und jetzt geht’s um KÖRPERSPRACHE, um Präsenz. Wenn wir sichtbar sein wollen, müssen wir unseren RAUM EINNEHMEN.

Das funktioniert wirklich, ich hab’s selbst erlebt:

Ich habe neulich einen Vortrag in der IHK Lüneburg gehalten, vor knapp 100 Zuhörern. Dabei stand ich nicht auf einer Bühne, sondern einfach ganz vorn auf gleicher Ebene mit dem Publikum, und ich bin ja nicht gerade der normannische Kleiderschrank. Hinterher, beim Get-Together, komme ich mit einer hochgewachsenen Unternehmerin ins Gespräch; sie steht unmittelbar vor mir, guckt zu mir runter und sagt,

„Huch, Sie sind ja viel kleiner, als ich dachte; Sie haben da vorne viel größer gewirkt – da nehmen Sie Ihren Raum aber wirklich gut ein!“

Also: RAUM EINNEHMEN, zum Beispiel in Meetings.

Nehmen wir an:
Eine Netzwerkveranstaltung, eine Präsentation beim Kunden, eine Projektbesprechung.
Hohe Männerdichte, größerer Raum. Sie wollen den Raum betreten, sind nicht zu spät, sondern gut in der Zeit, und diverse Männer stehen noch in Grüppchen herum.

Sorgen Sie dafür, dass Sie wahrgenommen werden. BETRETEN SIE EINEN RAUM und huschen Sie nicht hindurch. Suchen Sie sich Ihren Platz nicht “in der letzten Bank” und verschanzen Sie sich nicht hinter Ihren Unterlagen, bis es offiziell losgeht.

Anmerkung: An dieser Stelle habe ich im Vortrag zwei gegensätzliche Varianten vorgemacht, wie frau einen solchen Meetingraum betreten kann: Eine, die bewirkt, dass wir kaum wahrgenommen werden und eine, die uns sichtbar werden lässt. Das Ganze jeweils ein bisschen überzeichnet, um die Gegensätze darzustellen.

Wir erinnern uns: Männer und Frauen sind unterschiedlich sozialisiert. Wir Frauen SPRECHEN mehr miteinander.
ABER: Wir haben nicht nur einen Kopf und einen Mund zum Kommunizieren.

Deshalb: Machen Sie sich groß, auch innerlich.

Quintessenz:

Ihr wichtigster Unternehmenswert ist Ihr eigener Selbstwert – und den können Sie SELBST am besten beeinflussen.

Hören Sie auf, sich mit anderen zu vergleichen: Der Vergleich ist der Tod eines jeden Glücks.

Und wenn Ihnen jemand einen Standard überstülpen und Sie danach bewerten will: Seien Sie eigensinnig, sträuben Sie sich dagegen –
Werden Sie Ihr eigener Standard!

Verpflichten Sie sich, mutig zu sein. Mut ist wie ein Muskel – den muss man trainieren. Sie müssen niemand anderem was beweisen: Tun Sie’s für sich selbst, in kleinen, bekömmlichen Schritten. Und dann seien Sie stolz auf sich und feiern Sie sich: Jedes Mal.

Wenn das nächste Mal eine Speakerin zu Ihrem Thema gesucht wird: Melden Sie sich! Sofort!

Werden Sie frecher und ein bisschen risikofreudiger – das macht Spaß.
Ich verrate Ihnen was: Ich habe noch nie vor so vielen Menschen gesprochen – ich BIN damit ein Risiko eingegangen – und das macht wirklich Spaß.

Denken Sie an den Spruch von Pipi Langstrumpf:
„Das habe ich noch nie gemacht, also gehe ich fest davon aus, dass ich das kann, wenn ich das will.“

Und wenn mal was nicht klappt – na und? Machen Sie einen Haken dran und weiter geht’s! So machen das die meisten Männer – können wir doch auch mal ausprobieren, oder?

Und vor allem:

Fangen Sie an, sich hemmungslos selbst zu lieben, verzeihen Sie sich SOFORT alle Ihre Fehler und seien Sie sich alles wert, was Sie sich wünschen.

Seien Sie voller Liebe,
werden Sie stark & frei,
und dann gehen Sie raus und machen das Business und damit die Welt zu einem besseren Ort:

Das ist wichtig, gerade in Zeiten wie diesen. Wir brauchen jetzt viele Leute, die sich klar positionieren: Nicht nur im Business. Die aufstehen, den Mund aufmachen, Zivilcourage zeigen, für unsere Demokratie einstehen.

Also: Seien Sie die Königin in Ihrem Leben –
und möge die Macht mit Ihnen sein.

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Hier ist der Vortrag zu Ende.Übrigens: Mich kann man für Vorträge buchen. 😉 Mein Speakerinnen-Profil ist auf www.speakerinnen.org .

Und wie versprochen, erzähle ich jetzt noch, was den Impuls ausgelöst hat, mit meinem beschriebenen und lange gepflegten, durch die Schule verursachten “Defizit” die Flucht nach vorn anzutreten. Der Auslöser war ein Blogartikel vom Dezember 2017: Geschrieben hat ihn Uwe Kalkowski, der auf seinem großartigen Blog “Der Kaffeehaussitzer” wunderbare Buchempfehlungen gibt.

Ich habe schon einige Bücher aufgrund seiner Tipps gekauft und lag damit immer richtig. Wir folgen einander auf Twitter, und so wurde ich auf jenen besonderen Artikel aufmerksam: https://kaffeehaussitzer.de/j-d-vance-hillbilly-elegie/ .

Er stellt wie üblich ein Buch vor, beschreibt aber dann, welche Erinnerungen es in ihm weckt – und wie er mit sich gerungen hat, über diesen sehr persönlichen Aspekt  zu sprechen. “… da waren diese Bilder der Kindheit wieder da. Als ich das Buch zugeklappt hatte und über das Gelesene nachdachte, fand ich für viele Verhaltensmuster eine Erklärung. Warum ich bis weit in mein Erwachsenenleben hinein versuchte, meine Unsicherheit durch vermeintliche Coolness zu überdecken. Warum ich mich jahrelang bei offiziellen Anlässen deplatziert fühlte. Warum ich bei persönlicher Kritik eine viel zu dünne Haut habe, bis heute. Warum es mir manchmal schwerfällt, einen Erfolg einfach nur zu genießen, anstatt ihn voller Selbstzweifel zu begutachten.”

That’s it.

Seine Geschichte ist eine andere als meine, aber die Gedanken sind die gleichen. Ich habe jetzt zwar, seit ich den Artikel das 1. Mal las, fast ein Jahr gebraucht, meine Hemmschwelle zu knacken – aber gut Ding braucht manchmal wirklich Weile. Danke, lieber Uwe, für den Anschubser. 😉

PS:
Fotocredits: Ulrich Perrey
Die Postkarte auf dem Foto stammt aus der “Edition Gute Geister”.
*Werbung, weil Name genannt (ohne Auftrag)

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Stephanie,

    Von Herzen Dank für die Umsetzung der Idee, diesen Vortag als Blog-artikel hier zu posten 🙂

    Diese Ermutigungen mit den gleich praktisch Umsetzbaren Tips tun einfach gut.

    Ich wünsche noch wundervolle Herbstage.

    Maud aus Luxemburg ( die Anfahrt für den Vortrag in Hamburg, hätte etwas länger gedauert).

    • Liebe Maud,
      das freut mich sehr, vielen Dank! 🙂 Mir liegt das Thema so am Herzen, und ich bin sicher: Wenn wir alle ein bisschen mehr stark & frei werden, geht’s uns allen besser, und so macht Erfolg auch viel mehr Spaß. Und vielleicht klappt es ja mal mit einem Besuch in Hamburg – dann trinken wir einen Kaffee zusammen, ja?
      Viele Grüße nach Luxemburg,
      Steffi

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