Dürfen Führungskräfte Unsicherheit zeigen?

Die Vorgeschichte:

Ich hatte einen Kunden gebeten, seine seine Erkenntnisse aus dem letzten Coaching-Termin einfach mal für sich aufzuschreiben. Und dann schickte er mir das Ganze, und ich war völlig hin und weg, und er möchte zwar anonym bleiben, und ja, ich darf das veröffentlichen: Eine Erfolgsstory mit einer großartigen Erkenntnis und zwei Happy Ends.

Bereit?

“Ich stand vor einer großen beruflichen Herausforderung: Ein neues Projekt, das Einiges beinhaltete, das ich so noch nie gemacht hatte. DER Moment für einen Coaching-Termin bei Steffi!

Ich schilderte meine Situation, sie hörte aufmerksam zu, überlegte einen Moment. Dann zog sie plötzlich eine Tasche hervor und kippte lauter Schleichtiere vor mir auf dem Tisch aus: “Spontane Idee: Such Dir doch mal die Tiere aus, die Dir für Dich und die ganze Situation passend erscheinen.”

Ich entschied mich für einen Löwen und eine Löwin, und die standen da jetzt: Große, starke Tiere ohne erkennbare Schwächen, jederzeit bereit für was auch immer da kommen mag.

Genau das war mein eigener Anspruch an mich selbst, so wollte ich im Business sein.

Aber mein Gefühl sagte etwas ganz anderes: Von all dieser Souveränität und Stärke merkte ich nämlich gerade gar nichts.

Was denn mit dem Löwenjunges sei, fragte Steffi nach einer Weile. Ob das nicht auch dazu gehöre? Hm, joa… es war sehr niedlich und verspielt, hatte was Unbekümmertes und eine große Portion Neugier im Gesicht. Nur: Es erschien mir im Businesskontext nicht passend. Neugier – okay. Aber dieses vergnügt die Welt erkundende Tierkind?

Ich setzte es trotzdem probehalber vor die Großen. “Würdest DU gern mit jemandem zusammenarbeiten, der ausschließlich so drauf ist wie die Elterntiere? Wie fühlt sich das an?” fragte Steffi.

Und beim Blick auf das Löwenensemble dämmerte es mir:

Es wird Zeit, mit Schwächen und Unsicherheiten auch in dem bevorstehenden Projekt offen umzugehen.

Nächste Erkenntnis: Bis jetzt hatte ich “den kleinen Löwen in mir” immer weggeschickt. Aber er ist ja auch Teil meiner Persönlichkeit! Ab sofort darf er genau so neugierig und unbekümmert mit dabei sein und auch mal vorneweg laufen: Falls es wirklich schwierig wird, kann er sich auf den Rückhalt durch die beiden großen Löwen verlassen.

Was ich wahrscheinlich nicht extra erwähnen muss: Meine Herausforderung habe ich zwei Tage später souverän und entspannt gemeistert und einen absoluten Traumkunden für unser Unternehmen gewonnen.”

Ist das nicht eine großartige Erfolgsgeschichte?

Die zwei Happy Ends:

Meinem Coaching-Kunden ist klar geworden, dass er auch als Führungskraft Unsicherheit zeigen kann und nicht von vornherein alles wissen und können muss. Er hat sich wieder ein bisschen besser kennen- (und schätzen!) gelernt, ist sich selbst treu geblieben und kann sich über einen großen beruflichen Erfolg freuen.

Und für mich bestätigte sich die beruhigende (und immer mal wieder hilfreiche) Erkenntnis:

Ich kann im Coaching solchen spontanen, “verrückten” Eingebungen (ich meine, Schleichtiere, hallo?? 😉) vertrauen.

Übrigens: Wir können alle unseren “kleinen Löwen” öfter mal auf die Bühne bitten. Gerade in diesen Zeiten, in denen viele Erfahrungswerte über den Haufen geworfen werden müssen, ist oft Ausprobieren mit Mut, Neugier und einer Portion Unbekümmertheit angesagt.

Falls Du auch gerade vor einer fetten Herausforderung stehst, einen anderen Blickwinkel gebrauchen könntest oder aus anderen Gründen ein Sparringspartner hilfreich wäre:

Ruf mich doch jetzt einfach mal an: Telefon 0172 / 4278893.

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