Das Lustprinzip.

Oder auch: Lust versus Disziplin.

“Steffis Leistungen sind Interessengebunden”. Das stand schon in einem meiner ersten Grundschulzeugnisse, war ncht unbedingt als Kompliment gemeint und hat sich bis heute nicht wesentlich geändert. Dieser Themenwunsch stammt von jemandem, dem es ähnlich geht. 😉

Je mehr Spaß mir etwas macht, desto mehr Lust habe ich darauf, desto besser ist das Ergebnis. Wenn also die Lust nachlässt (und ich bin nicht so der Freund von Routinetätigkeiten über einen längeren Zeitraum), lässt auch die Leistung schon mal nach, dann muss was Neues her. Viele Jahre  habe ich mich deshalb für sprunghaft, unkonzentriert, nicht fokussiert genug, undiszipliniert & Co. gehalten. Wo kämen wir denn dahin, wenn hier jeder…

Die Wende kam vor ein paar Jahren, als ich das erste Mal etwas über “Scanner” las, und ich stellte fest: Ich bin ein klassischer Vertreter dieser Gattung, und es gibt sehr viele von uns, und wir sind völlig in Ordnung! Das fand ich sehr beruhigend. 😉

Als Kirsche auf der Torte stieß ich dann auf Professor Gerald Hüther: In der Hirnforschung hatte man inzwischen den Zusammenhang zwischen der Lust am Tun und den damit verbundenen fabelhaften Lernergebnissen entdeckt – damit war diese Lust legitimiert und zum Erfolgsfaktor befördert,  was für eine Offenbarung!

Heißt: Je mehr Begeisterung, sprich Lust, wir für etwas aufbringen, desto besser sind wir in dem, was wir da tun. Das betrifft sowohl den Prozess als auch das Ergebnis, ist mittlerweile allgemein bekannt und darf auch allmählich imer mehr Einzug in die Arbeitswelt halten.

Und es gilt auch für unsere Marke.

Deshalb ist in einer Markenentwicklung die Frage “Wie willst du arbeiten?” so wichtig. Wie sähe ein idealer Arbeitstag, eine ideale Arbeitswoche für dich aus?

Was macht dir so viel Spaß, dass du abends, nach “getaner Arbeit”, pfeifend nach Hause kommst? Wovon erzählst du so begeistert, dass dein Gegenüber irgenwann grinst und sagt, “Okay, ich habe VERSTANDEN, dass du einen tollen Tag hattest!”

Genau das machst du dann nämlich auf eine so geniale, unverwechselbare Art und Weise, dass deine Wunschkunden genau das wollen – weil sie es nur bei dir bekommen. Oder falls du erst noch gründen willst: Diese Erkenntnisse sollten das Grundgerüst für dein Business bilden.

Und wozu hast du im Grunde überhaupt keine Lust?

Das ist natürlich nicht der alleinige Maßstab und heißt auch nicht, dass du all das jetzt sofort rausschmeißt oder einfach liegenlässt. Aber sich mit diesen Fragen mal nach Herzenslust zu beschäftigen, ohne das vernunftgesteuerte “ja, aber…” oder die üblichen “Ponyhof-Wunschkonzert-wir-sind-nicht-zum-Vergnügen-hier-Denkbarrieren”, eröffnet völlig neue Perspektiven.

Steig mal gedanklich auf den fliegenden Teppich:

Was bietest du nur noch an, weil ein Kunde mal danach gefragt hat? Was würdest du am liebsten gar nicht mehr machen oder auslagern? Schon mal über eine virtuelle Assistenz nachgedacht?

Vielleicht bist du ja gar nicht so gern lange am Rechner (genau wie ich)? Vielleicht wird dir klar, dass dir der frühere, engere Kontakt zu den Kunden fehlt, seit dein Unternehmen gewachsen ist und du aus dem “Alltagsgeschäft” überwiegend raus bist? “Sitzt” du zuviel und würdest gern öfter draußen sein? Wenn der “Swell” gut ist, das Surfbrett aufs Autodach werfen, zwei Tage ans Meer fahren und dort arbeiten – oder im Winter gleich drei Monate von Gomera aus?

Was bei solchen Überlegungen rauskommt, lässt sich natürlich nicht immer 1:1 umsetzen. Aber sich wirklich mal die Zeit dafür zu nehmen, bringt oft Lösungen zum Vorschein, auf die wir vorher überhaupt nicht gekommen wären. Und dann noch mit einem vertrauten Menschen drüber sprechen – möglicherweise sagt der “Hättest du doch schon mal viel früher was gesagt, ich hab da eine Idee…”

Wir leuchten dann am meisten und liefern dann die besten Ergebnisse, wenn wir mit richtig viel Lust unterwegs sind.

Betrifft auch unser Marketing:

Wenn du so gar keine Lust zum Schreiben hast, macht ein Blog wenig Sinn. Dann vielleicht lieber ein Podcast? Nur weil mal jemand gesagt hat, “man muss Vorträge halten”, heißt das noch gar nichts. Facebook nervt dich? Dann lass es. Alle behaupten jetzt, Pinterest sei DIE Sichtbarkeitsmaschine, du hast aber überhaupt keine Lust auf diesen Kanal? Finger weg.

Und was die kreativen Prozesse angeht:

Gras wächst auch nicht schneller, wenn man dran zieht.

Manchmal lohnt es sich, das Projekt oder die Aufgabe eine kleine Weile loszulassen, bis die Lust wieder um die Ecke lugt. Und das heißt nicht, Emails zu checken oder auf Social Media rumzusurfen. Sondern?

Eine Runde durch den Wald oder zumindest um den Block laufen (zwischendurch mal rückwärts?), einen Kuchen backen, das Bücherregal umsortieren. Gibt’s einen Spielplatz bei dir um die Ecke? Dann geh eine Runde schaukeln! Mach irgendwas, worauf du wirklich Lust hast, was dich aus dem Kopf rausholt und dich “in echt” in Bewegung bringt. Dann läuft es wieder. Und dabei fällt mir ein, dass ich darüber schon mal gebloggt habe, noch mehr Tipps dazu gibt’s hier: https://www.stephanie-wagner.de/perspektivwechsel-aber-wie/. 

PS: Der letzte #10minBlog-Artikel ist ja schon wieder eine Weile her. Und dieser entstand spontan in einem zauberhaften Lüneburger Café, weil ich zwischen zwei Terminen unerwartet Zeit hatte. Geschrieben mit Kuli auf einigen geborgten DIN/A4-Bögen: NICHT am Schreibtisch, NICHT in der immer gleichen Arbeitsumgebung. Und die Worte flossen munter aufs Papier, Seite um Seite. Soviel zum Thema Lust. Deshalb hat das mit den 10 Minuten jetzt auch NICHT GANZ geklappt, aber fast.

Das Thema hat sich jemand gewünscht, der/die im Netz unter einem recht bekannten Pseudonym unterwegs ist und auch weiterhin incognito bleiben möchte. Für mich hat diese Person ihr Incognito gelüftet, aber ich bin selbstverständlich diskret und verschwiegen. 😉 Danke für dieses wundervolle Thema!

Für meine #10minBlog-Artikel stelle ich mir den Timer auf 10 Minuten und schreibe sie in eins durch: Ohne Konzeption und ohne Recherche. Seitdem macht das Bloggen wieder Spaß! Nach dem “Runterschreiben” gucke ich nur noch nach Tippfehlern, suche mir ein schönes Bild und formatiere noch drei, vier Sätze als als Überschrift: Darüber freut sich Google. Und es ist die einfachste SEO-Maßnahme.

Unter dem Hashtag #10minblog findest du auf Twitter alle Artikel dieses Formats, bei dem inzwischen auch andere Blogger mitmachen.

Wenn du auch ein Thema hast, zu dem du etwas von mir wissen möchtest: Immer gern!

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Herzlichen Dank liebe Stephanie 🙂

    Dein Post kam in einem guten Moment, besonders die Einladung zum “virtuellen Teppich fliegen.”

    Hättest Du vielliecht einen Link eine Referenz, zu der Idee / Bild mit dem “Scanner”-Typus?

    Ich wünsche Dir ein WE wie es Dir gerade ganz gut tut.

    Maud

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