16 todsichere Tipps, wie Sie die Absprungrate auf Ihrer Website erhöhen

1. Beginnen Sie mit „Herzlich Willkommen“. So machen es alle und das sollten Sie auch.  Und genau wie die meisten anderen schreiben Sie das „Willkommen“ hinter „Herzlich“ bitte auch falsch, nämlich groß.

 2. Vielfalt ist Trumpf! Bieten Sie Ihrem Besucher schon auf der Startseite ganz viele Menüpunkte und ganz viel Text, bauen Sie „Störer“ ein (das kennen Sie von Lebensmittelverpackungen: „Jetzt neu!!“) und das Ganze vor allem hübsch bunt. Sehr beliebt sind auch Pop-ups, die mit Nachdruck zum Abonnieren eines Newsletters auffordern und oder eine Musikeinspielung, die sich nirgendwo abstellen lässt und der man sich nur durch sofortige Flucht von der Seite entziehen kann.

3. Laden Sie ein zur Schnitzeljagd: Lassen Sie den Besucher auf dieser von einem innovativen Webdesigner überaus kreativ gestalteten Startseite ein bisschen herumsuchen, wo’s jetzt weiter geht. So baut Ihr zukünftiger Kunde frühzeitig eine Beziehung zu Ihnen auf und die Verweildauer auf Ihrer Seite steigt ebenfalls. Ganz sicher.

       4. Es ist schließlich IHRE Website:
Also schildern Sie auch ausführlich, was SIE an Ihrem Laden, Ihren Produkten und Ihrem Angebot toll finden. Seien Sie freigiebig mit den Worten „wir“, „uns“, „unser(e)“.

        5. Geizen Sie nicht mit Details
zählen Sie ALLES auf, was es über Sie und Ihr Angebot zu erfahren gibt. Der Besucher Ihrer Seite wird sich zuverlässig durch ALLES hindurchlesen und irgendwo auf die eine maßgebliche Information stoßen, die für ihn ausschlaggebend ist, sich für Sie zu entscheiden.

         6. Achten Sie auf PR- und marketingerprobte Begriffe:rp_Frosch-im-Teich_Anja-300x217.jpg
Ganz wichtig sind Schlagworte wie Innovation (noch besser: Innovationskraft), Optimierung, Portfolio, Mehrwert (spürbar), lösungsorientiert, Kompetenz, Unternehmensphilosophie. Und natürlich  alles rund um den Begriff Corporate.

        7. Erwähnen Sie unbedingt, dass Ihre Mitarbeiter Ihr wichtigstes Kapital sind. Das tut außer Ihnen nämlich niemand und deshalb glaubt Ihnen das jeder.

      8. Jeder Kunde ist für Sie einzigartig:
Also bevormunden Sie ihn nicht und lassen ihn bitte selbst  überlegen, was ihm Ihr Angebot nutzt. Es reicht, wenn Sie alle Produktvorteile aufzählen – und natürlich alle (!) Produkteigenschaften.

        9. Wodurch Sie sich von der Konkurrenz unterscheiden? Das zu beurteilen überlassen Sie doch bitte auch Ihrem Kunden!

         10. Achten Sie unbedingt auf eine ausreichende Zahl an Fachbegriffen.
Damit zeigen Sie Sachkenntnis. Und bitte bleiben Sie dabei abstrakt – jeder Mensch möchte schließlich seine eigenen Assoziationen entwickeln. Anschauliche Beispiele oder konkrete Formulierungen beeinflussen die Meinungsbildung unnötig.

          11. Zahlen, Daten, Fakten – so viel wie möglich. Vor allem, wenn Sie vorwiegend Firmenkunden erreichen wollen: Da haben Sie es schließlich mit Entscheidern zu tun und die geben sich nicht mit emotionalem Gedöns ab.

       rp_Smiley-blinzelt-150x200.jpg 12. Überhaupt  – die Sprache:
Sie zeigen keine Kompetenz, wenn Sie Ihre Leser unterfordern! Nehmen Sie sich ein Beispiel an manchen Feuilletonredakteuren: Bilden Sie Schachtelsätze (je länger, desto besser), achten Sie auf genügend Passivformulierungen und versuchen Sie sich an komplizierten Satzstrukturen. Auch sehr beliebt: Wortkonstruktionen.  Fangen Sie klein an, z. B. mit Komplexitätsreduzierung oder Zielsetzungsstrategie.

         13. Außerdem: Keywords. SEHR WICHTIG. Ganz viele, ganz oft und gut verteilt. Sie wissen schon, Google und so.

         14. Falls Sie doch unbedingt Bilder auf der Seite wollen: Bloß keine „echten“ Menschen aus Ihrem Team; die Models aus den Fotodatenbanken sind viel schicker. Und Ihr Firmengebäude oder ein leerer Konferenztisch sehen doch auch deutlich mehr nach Business aus als die Gesichter von irgendwelchen Mitarbeitern. Falls Ihnen gar nichts anderes einfällt: Luftbild oder Parkplatz gehen eigentlich immer.

        15. Sollten Sie übrigens unbelehrbar sein und doch darauf bestehen, zum Beispiel Bilder von Ansprechpartnern aus Ihrem Team zu zeigen: Dann aber bitte Photoshop, Photoshop, Photoshop!!!

        16. Es ist Ihr Laden? Ein Familienunternehmen, womöglich schon seit mehreren Generationen, das auch noch Ihren Namen trägt? Und Sie wollen sich allen Ernstes auch noch selbst mit Ihrem Konterfei zeigen? Na, wenn Sie meinen…

Sick person

Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin… 😉

Das Schlusswort hat heute Wolf Schneider, lange Jahre Leiter der Hamburger Journalistenschule: „Ein Text ist nicht schon deshalb gut, weil er a) korrekt und b) von mir ist.“

Achja – falls SIE auch noch Tipps haben, die auf diese Negativliste gehören, immer her damit!

Bildnachweis: morguefile.com

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Frau Wagner,
    toller Artikel. Vielen Dank für die Mühe mit den No-Go´s. (Schreibt man das jetzt GROSS oder klein???…)
    Ich habe tatsächlich noch eine Anmerkung… Ständig begegnen mir irre Rechtschreibfehler auf sonst (eigentlich) ganz gut gemachten Seiten. Da schüttelt es mich… Tolle Waren, Ideen verwandeln sich in Lächerlichkeiten, wenn der Inhaber der Site nicht nochmal schaut, bevor er einen Text online stellt. (Oder tut er es gar???) Ich sehe ein, die deutsche Grammatik und Rechtschreibung sind ein schwer zu bearbeitendes Feld… Aber dafür gibt es doch Freunde, Fans und SIE! Oder?
    Ich freue mich auf weitere News aus Ihrer Feder!.
    Sonnige Grüße
    Sylvia K.

    • Liebe Frau K.,

      stimmt, mit den Schreib-„Vehlern“ 😉 ist das oft tückisch. Besonders, wenn man lange an einem Text „herumgebrütet“ hat und ihn schließlich in- und auswendig kennt, übersieht man manchmal einen Tippfehler trotz mehrmaligen Korrekturlesens. Also: lieber noch mal jemanden drüberschauen lassen, der den Text bislang nicht kannte. Auch wenn man sich in Sachen Rechtschreibung, Grammatik oder Interpunktion nicht ganz sicher ist: Am Besten das Ganze noch einmal prüfen lassen – womöglich war dem Autor nämlich gar nicht bewusst, dass da etwas nicht korrekt ist. Die Rechtschreibreform bringt allerdings sogar viele Lektoren manchmal an den Rand der Verzweiflung, weil diverse Änderungen heimlich, still und leise wieder „zurück reformiert“ wurden… 🙂

      Zu Ihrer Frage: Wenn man den Begriff No-Go im Deutschen verwendet, schreibt man ihn groß. Der Plural wird gemäß der deutschen Grammatik gebildet: Also „No-Gos“ ohne Apostroph vor dem „s“, im Gegensatz zum englischen „no-go’s“. Das Mixen verschiedener Sprachen ist halt besonders „tricky“… 😉

      Herzliche Grüße
      Steffi Wagner

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