Was ist Ihr wichtigster Unternehmenswert?

Agiles Management? Unbedingt!
Was, Sie sind noch nicht disruptiv?
Digital Leadership – ja, klar!

Jede Menge Bullshit-Bingo der neuesten Generation. Werte! Mindset! Change! Digitalisierung! Wissen Sie was?  Lassen Sie uns mal über Liebe sprechen.

Reinhard Sprenger bringt es mal wieder schön auf den Punkt: „Digitalisierung ist im Kern kein Technikprozess, sondern die Konzentration auf das, was nur Menschen leisten können, nämlich die drei K’s: Kunde, Kooperation, Kreativität.“

Da nicken wir alle beim Lesen, ja, genau so ist es. Und nun? Was heißt das jetzt? Was machen Sie als Unternehmer ab morgen anders, ganz konkret?

„… bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt.“

Hand aufs Herz: Steht das auch auf Ihrer Website? Eine sehr „geschmeidige“ Formulierung – sehr beliebt und meistens völlig beliebig, weil viel zu oft einfach nicht die Wahrheit. Trifft sie in Ihrem Fall zu? Wenn ja, woran merken das Ihre Mitarbeiter und Ihre Kunden?

Das gilt ebenfalls für „Unsere Mitarbeiter sind unsere wichtigste Ressource“ – auch so eine immer wieder durchgenudelte Phrase, über die besagte Mitarbeiter meistens nur noch den Kopf schütteln.

Alle reden von People Business.

Klingt gut, macht angeblich jeder – aber mal „Butter bei die Fische“: Was genau heißt das eigentlich im täglichen Miteinander? Lassen Sie uns überlegen: Ernstgemeintes (!) People Business bedeutet, mit Menschen in Beziehung zu gehen, Verbundenheit herzustellen. Aufrichtiges Interesse. Und was brauchen Sie als Unternehmer dafür?

Als Allererstes eine gute Beziehung zu sich selbst. Ich breche es mal auf die altbekannte Formel herunter: Der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken – das funktioniert im Negativen wie im Positiven. Was für ein Kopf sind Sie?

Wer andere führen will, muss sich selbst führen können (nicht nur „managen“), und das klappt nur, wenn Sie sich selbst  kennen. Und wir wissen ja: Wer fragt, führt. Also: Welche Fragen stellen Sie sich selbst?

So wie Sie als Unternehmer ticken, tickt Ihr ganzer „Laden“, egal ob Sie Solopreneur sind oder 2.000 Mitarbeiter haben: Ihr persönlicher Selbstwert beeinflusst Ihre Haltung, Ihre Wirkung nach außen und all Ihre unternehmerischen Entscheidungen und deshalb:

Ihr wichtigster Unternehmenswert ist Ihr eigener Selbstwert.

Was sind Sie sich selbst wert, was ist Ihnen wirklich wichtig? Und ich hoffe, Sie beantworten das jetzt nicht in Luxus-Uhren,  Euro-Beträgen oder Marktanteil-in-Prozenten… Ich kenne hoch erfolgreiche Unternehmer, bei denen sich hinter den Kulissen eine große Leere und Einsamkeit verbirgt:

Immer siegen müssen, Status, Macht und Big Deals als Methadonprogramm – und für die Seele einen neuen Ferrari. Ist das wirklich erstrebenswert? People Business, ernsthaft?

 Lassen Sie uns mal von Liebe sprechen.  Und zwar von Selbstliebe.

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Das heißt nicht, dass Sie unterschiedslos jeden abliebeln müssten, der Ihnen vor die Flinte läuft, sondern es impliziert, dass Sie sich zunächst  erstmal selbst lieben. Falls das vielleicht gerade den männlichen Lesen „zu emotional“ wird 😉 , betrachten Sie es einfach im unternehmerischen Kontext:

Wenn erfolgreiches Business voraussetzt, mit anderen in Beziehung zu gehen: Wie ist denn Ihre Beziehung zu sich selbst und zu den Menschen, die Ihnen am nächsten sind?

Gehen Sie liebevoll, fürsorglich, nachsichtig, respektvoll und wohlwollend mit sich selbst um? Das muss nicht 24 Stunden am Tag sein, aber so grundsätzlich, von Ihrer inneren Einstellung her?

Oder jagt Ihr Terminkalender Sie vor sich her, fordern Sie sich permanent Höchstleistungen ab und haben viel zu wenig Zeit für Ihre Familie? Dann stimmt etwas nicht, für Sie persönlich und deshalb auch in Ihrem Business.

Ich halte zu diesem Thema Vorträge vor Unternehmern und frage manchmal ins Publikum: „Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?“ Dann kommt in 90% der Fälle die Antwort „Meine Kinder!“ Und wenn ich frage, wieviel Zeit sie mit ihren Kindern verbringen…

Dann wird’s still, und ich gucke entweder in betretene Gesichter oder diverse (männliche) Zuhörer müssen jetzt unbedingt sofort mal eben ihre Mails im Smartphone checken. Wie beim Elternabend, wenn die Elternvertreter gewählt werden sollen; Sie kennen das. Und als Nächstes kommen „Erklärungen“, dass das eben nun mal leider nicht anders gehe, weil…

Achtung: Dieses Familienmodell macht die nächste Generation Führungskräfte nicht mehr mit!

„Ich mach‘ nichts mehr, was keinen Sinn macht!“

Diesen Satz hören Unternehmer bei der Suche nach Fachkräften inzwischen immer öfter: Stichwort Generation Y und demnächst dann auch Z. Den Sinn im Tun können Sie als Unternehmer oder Führungskraft aber nur vermitteln, wenn Sie sich selbst auch  Zeit für die Sinnfrage nehmen. Es reicht nicht, dem Unternehmen einen schicken Anstrich zu verpassen oder ein neues Etikett draufzukleben!

Wenn Sie Ihr Herz nicht in Ihren Business-Alltag mitnehmen, rutschen Sie auch als Arbeitgeber in Zukunft immer mehr ins Aus: Stichwort Employer Branding und Fachkräftemangel. Sie prägen nämlich Ihre Unternehmenskultur  – mit Ihrer Persönlichkeit und Ihren Werten.

A propos Werte: Wir kennen ja alle die typischen Unternehmensleitbilder.

Da wird kräftig rumgesülzt: Von Wertschätzung ist die Rede, von Vertrauen, gegenseitiger Achtung, Loyalität, blabla. Das sind ja grundsätzlich alles tolle Sachen, aber bei vielen Leitbildern bedeutet all das nur heiße Luft:

Ich stelle mir das so vor: Erst wurde im kleinen Kreis „in der Chefetage“ darüber konferiert, dann hat eine Agentur ein Briefing bekommen, sich für teures Geld das Hirn verrenkt, und das Ergebnis hängt jetzt hinter Glas am Empfang und in den Fluren. Voll authentisch.

„Werte“ entstehen aber nun mal nicht per Dekret, sondern von innen heraus – und dieser Prozess beginnt bei Ihnen persönlich. Wenn Sie sich selbst nicht wertschätzen und ja, liebevoll mit sich umgehen, wird das nix.

Wir können nämlich nur das ausstrahlen und weitergeben, was wir uns auch selbst zugestehen. Sie erinnern sich: Der Fisch, der Kopf…

Alle Werte sind wertlos, wenn sie lieblos sind.

Und so, wie Sie ticken, tun es auch Ihre Führungskräfte. Das wirkt sich auf die gesamte Stimmung aus, von Buchhaltung bis Vertrieb und wenn Ihre Unternehmensstruktur schon „agil“ ist, dann erst recht.

Das gilt natürlich auch, wenn Sie Einzelunternehmer sind:

Ein gutes, stabiles Selbstwertgefühl ist entscheidend dafür, ob Sie auch dann an sich glauben, wenn’s mal nicht läuft, was für Preise Sie nehmen, an welche Kunden Sie sich „herantrauen“ und mit wieviel innerer Überzeugung und Mut zum „anders sein“ Sie sich sichtbar machen.

Und wenn Sie Mitarbeiter haben: Ihre Selbstliebe (die übrigens rein gar nichts mit Narzissmus zu tun hat!) und folglich Ihr Umgang mit sich selbst übertragen sich auf Ihre Mitarbeiter und damit natürlich auf auf Ihre Kunden. Soviel zum Thema Unternehmenskommunikation: Die prägen nämlich auch Sie. Intern und extern, von Meetingkultur bis Website. Stimmt’s?

Reden wir über Marketing:

Das alles zahlt wiederum auf Ihre Marke ein und hebt Sie damit von Ihrer Konkurrenz ab: Ihr persönlicher Selbstwert beeinflusst also maßgeblich Ihre Positionierung am Markt und damit Ihren unternehmerischen Erfolg.

So schließt sich der Kreis: Corporate Selflove als entscheidender Unternehmenswert. Spannend, oder?

„Love out loud!“

Das war das Motto der letzten re:publica. Wie wär’s – fangen wir damit doch bei uns selbst an, jetzt gleich.

Was tut Ihnen gut, so richtig? Wann haben Sie das letzte Mal mit Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn in einer Pfütze geplantscht?  Gehen Sie raus und umarmen Sie Bäume (muss ja keiner sehen 😉 ) oder legen die Hand auf ein warmes Pferdefell.

Haben Sie eigentlich in Ihrem Erwachsenenleben schon mal im Gras gesessen und gar nichts gemacht? Sondern einfach nur versonnen vor sich hin geschaut?

Steigen Sie demnächst doch einfach aus dem Auto, lassen Sie das Smartphone liegen und seien Sie für die nächsten 10 Minuten mal nicht „competitive“… Wie wäre das?

Ich habe mich neulich mit einem sehr erfolgreichen Unternehmer unterhalten, der im Verlaufe des Gesprächs irgendwann   feststellte: „Eigentlich… ist mir unterm Strich das Frühstück am Samstagmorgen zuhause mit der Familie am Allerwichtigsten.“

Und jetzt Sie. Was tut Ihnen gut?

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