Serendipity, Smoothies und Kirchenglocken

Attenzione: Dieses wird ein reiner Lust-und-Laune-Artikel. 🙂

Nix mit Positionierung, Profilschärfung & Co. Also ausnahmsweise ohne professionellen Ansatz oder Business-Kontext. Kein exaktes Formulieren und akribisches Rumgefeile. Wer darauf unbedingten Wert legt: Bitte nicht weiterlesen.

Was „Ordentliches“ gibt’s demnächst wieder in diesem Theater, aber heute nicht. Heute schreibe ich einfach  drauflos. 😉

„Ah, Sie haben Urlaub, toll. Und, wo geht’s hin?“
„Nirgends. Einfach zuhause schön machen.“
„Oh…“

Ich habe diesen Dialog in den letzten Tagen öfter geführt und fast jedes Mal in ungläubige (und leicht mitleidige) Gesichter geguckt; wahrscheinlich hat mir das kaum jemand  abgekauft. Aber es sich zuhause schön machen – das war genau das, was ich wollte. Stecker rausziehen, Antennen einfahren, Taschenlampe nach innen richten. Eine Weile nicht eingestellt sein auf Senden, Empfangen, Kommunizieren, Präsenz zeigen. Stattdessen:

Foto: Anja Lange

Foto: Anja Lange

Mal nichts zielgerichtet tun. Einfach nicht so viel denken, sondern sich treiben lassen, Impulse hochkommen lassen und ihnen folgen. So, wie Blubberbläschen im Prosecco-Glas auch ruhig und schön gerade nach oben steigen, wenn man das Glas still hält. Den Aktivitätslevel samt äußerer Geräuschkulisse runterfahren und stehen bleiben.

Alsdann: Keine Emails und kein Twitter, Facebook auf das absolute Minimum reduziert. Nicht die Zugriffsstatistiken von Blog und Website kontrolliert (oha!!). Handy zeitweise auf lautlos gestellt (am hellichten Tag!!) und sogar auch mal nicht mitgenommen (daran arbeite ich aber noch: Schließlich könnte ja George Clooney anrufen. Oder???).

Gucken, was so zu mir kommt, wenn ich mal nix tu‘. Und was kam?
Jede Menge: Genuss und Sinnlichkeit pur.

Sinnlichkeit? Echt jetzt?

Ja: Futter für alle Sinne. Los ging’s damit, dass ich einen wunderbaren Tipp zum Thema Wassertrinken bekam: Ich komme nämlich nie auf die empfohlene Tagesration. Mineralwasser mit Sprudel mag ich nicht und ohne… auch nicht 🙂 . Aber schaut mal:

Schönes Wasser

 

Ist das nicht schönes Wasser? Und genauso schmeckt es auch! Zur Zeit blüht überall der Holunder („…sitzen unterm Hullerbusch, machen alle…“ – wer kennt das noch? 😀 ). Und so geht’s:

Pflückt zwei, drei Dolden und taucht sie zuhause für fünf Minuten kopfüber in eine Schale Wasser, damit Krabbelzeugs, das eventuell beim Abspülen dem Strahl aus dem Wasserhahn widersteht, wirklich raus ist. Dann zusammen mit ein paar Zweigen Zitronenmelisse in eine Glaskaraffe tun, mit Leitungswasser auffüllen, zehn Minuten warten, damit sich die Aromen entwickeln können – fertig. Es schmeckt köstlich, frisch und so richtig nach Sommer. Probiert es aus: Ihr habt noch nie so gern und so viel Wasser getrunken, wetten?

Jetzt wird’s voll öko…

Den nächsten Tipp bekam ich zum Thema Grünzeug. Esst Ihr genug Grünfutter, also Salat? Ich nicht, es sei denn, man setzt ihn mir schön angerichtet vor. Ich bin aber ein echter Fan von selbstgemachten Smoothies und habe den Standmixer jeden Morgen in Betrieb.

Giersch

Foto: kraeuter-verzeichnis.de

Und jetzt kommt das Grünzeug ins Spiel: Gartenfreaks, was haltet Ihr von Giersch (Nichtwisser, bitte hier entlang 😉 )? Im Garten habe ich dieses vermaledeite Zeug  viele Jahre lang erbittert und erfolglos bekämpft. Wildkräuter, pffff…  Und nun habe ich meinen Frieden mit ihm gemacht: Als Turbobooster in Sachen Vitamin A und C, Eiweiß, Eisen und Magnesium toppt er jede Kulturpflanze (Details gibt’s hier) und verwandelt meinen üblichen Obst-Smoothie zum Nulltarif in einen Green Smoothie und ist sooo lecker!!!

Pflückt die ganz jungen, zarten, hellgrünen Blätter: Einfach mit rein in den Mixer; wenn Ihr es „ganz fein“ haben wollt, nehmt stattdessen den Pürierstab. Die Menge probiert Ihr am Besten für euch selbst aus: Ich bin inzwischen bei einer Handvoll Giersch.

Und so tappe ich derzeit morgens barfuß durch das taunasse Gras im  Garten und ernte das, was ich früher nicht mal im Kompost entsorgt hätte, damit es sich nicht versamt… 😉 Viele Tipps und tolle Rezepte gibt’s übrigens auf www.gruenesmoothies.de.

Noch mehr Sinnliches?

Ich wohne auf einem Grundstück mit altem Baumbestand; das Flüsschen Bille fließt direkt dran vorbei. Sonne, Vogelzwitschern, der Wind rauscht leise in den Baumkronen, ansonsten: wohltuende Stille.

Also ab auf die Liege (Ausblick siehe unten), dazu Wunschbücher und Wasserkaraffe (weil siehe oben 😉 ). Zwischendurch beobachte ich die Wolken, die ab und zu durch das Sommerhimmelsblau trödeln oder gucke den Enten beim Plantschen zu. Und lasse die Gedanken allmählich von der Leine…

Billeblick

Habt Ihr eigentlich Lieblingsgeräusche?

Je weiter ich mich runterfahre und je ruhiger es um mich herum wird, desto bewusster nehme ich Dinge wahr. Jaa, der Wind in den Bäumen – das ist ein wunderbares Geräusch. Was noch? Kirchenglocken in der Abendsonne. Das leise, tiefe Wiehern eines gutgelaunten Pferdes. Der Klang der Schiffsstyphone im Hamburger Hafen. Das gemächliche Prasseln von Kaminfeuer. Was hört Ihr ganz besonders gern?

Das Gleiche gilt für Düfte. Wann habt Ihr das letzte Mal einen Duft so richtig intensiv wahrgenommen und genießerisch eingesogen – und das nicht nur, wenn er von etwas Essbaren stammte? Der süße, schwere Duft von Holunderblüten, die feine Frische von Lavendel, wenn man mit der Hand darüberstreicht… und wisst Ihr noch, wie gut ein Wald nach einem Sommerregen riecht?

Regentropfen Nadelbaum

Ich bin neulich beim Laufen in genau so einen warmen Regen gekommen und habe ihm von einer kleinen Holzbrücke aus zugeguckt, wie er – bei völliger Windstille – Kreise auf die Wasseroberfläche der Bille gemalt hat. Schööön!

Übrigens: Laufen heißt bei mir Entspanntes-durch-den-Wald-traben. Nicht rennen. Sondern auch mal stehenbleiben, eine Erdhummel auf dem Waldboden beobachten (ja, die gibt’s – hat mich ein netter älterer Herr drauf aufmerksam gemacht: „Gucken Sie mal…“)  oder ausprobieren, wie schön weich sich der Moospelz auf einem umgefallenen Baumriesen anfühlt. Waldkindergarten für Erwachsene nämlich. 😉

Futter für alle Sinne.

Wer mich kennt, weiß: Ich bin nicht gerade eine leidenschaftliche Köchin. Ich kann kochen – aber wenn ich nicht muss… Umso erstaunlicher: Ich kriege plötzlich Lust zum genussvollen  Hantieren mit leckeren Sachen, vor allem mit frischen Kräutern. Dabei herausgekommen ist u. a. mein allererstes selbstgemachtes Pesto: Olivenöl, Knoblauch, Cashew-Kerne, Parmesan – und als Grundlage? Anstatt der üblichen Verdächtigen auch hier: feinstgehackte, aromatisch duftende Gierschblättchen! Und ich sage euch: hmmmmmmmm… 🙂

Ich wandle auf wundersamen Wegen: Das Laptop bleibt konsequent zu, stattdessen kaufe ich mir die Zeitschrift Landlust , pflücke mich durch Wiesenblumen und kriege plötzlich Anwandlungen, so richtig aufs Land ziehen zu wollen. Was da wohl noch draus wird?

Wildblumenstrauß

 

 Müßiggang ist nicht aller Laster Anfang –

Müßiggang ist was wunderbares. Mir hat er in diesen Tagen unbeschreiblich gut getan. Neue Impulse konnten wie die Blubberbläschen im besagten Prosecco-Glas ungehindert nach oben steigen. Loslassen, nichts zielgerichtet oder zielführend zu tun, war eine Wohltat.

Und nun? Geht diese Zeit der „Reise ins Ich“ allmählich erstmal zu Ende.
In meinem Email-Account finde ich zwei Anfragen von potenziellen Neukunden, denen ich über völlig verschlungene Pfade empfohlen wurde. Die Statistiken auf Blog und Website zeigen an drei Tagen die mit Abstand höchsten Zugriffszahlen seit ihrem Bestehen. Und gerade eben kam noch etwas per Mail rein… was so sensationell toll wäre, dass ich erst darüber rede, wenn wirklich was daraus geworden ist.

Karriereberaterin Svenja Hofert hat neulich einen tollen Artikel zum Thema „Serendipity“ geschrieben: Nach dieser Zeit des Loslassens haben die glücklichen Zufälle  jetzt auch wieder jede Menge Platz in meinem Leben.

Ich wünsche euch allen eine wundervolle Woche. Und nicht vergessen: Ab und zu mal stehenbleiben, lauschen (auch nach innen), schmecken, fühlen, schnuppern und in die Wolken gucken. 🙂

Foto: Anja Lange

Foto: Anja Lange

Nachtrag vom Juli 2015:
Dieser Blogartikel hat völlig ungeplant eine Menge angeschoben. Neugierig?
Dann bitte hier entlang: Warum eigentlich nicht?

5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Steffi!
    Dein Text trifft mitten ins Herz!Sehe alles bildlich vor mir und freue mich total für Dich!Geniesse weiter in vollen Zügen und da mich das Karaffenbild völlig angesteckt hat,wird mein Text hier kürzer als Deiner,denn mich ziehts jetzt zum nächsten Hollerbusch 🙂
    Ganz liebe Grüße
    Anja Lange

    • Liebe Anja,
      Ich freu mich seeehr, dass dir der Artikel so gut gefällt – und was WÄRE er ohne deine schönen Fotos <3 !! Das macht alles richtig Lust, öfter über "sowas" zu schreiben... 😉
      Liebste Grüße, Steffi

  2. Hallo, Sie sprechen mir aus der Seele. Was Giersch angeht, machen Sie daraus mal eine Suppe! Und Duft im (Laub)Wald: Nichts geht für mich über den Duft, den verrottende Buchenblätter nach einem Regen im Herbst ausstrahlen! Und zum Holunder: Machen Sie mal Gelee aus Holunderdolden! Rezepte gern von meiner Frau. Herzliche Grüße, R.L.

    • Hallo Herr Lange,
      vielen Dank! Und Giersch als Grundlage für eine Suppe – das wird ausprobiert! Auf das Holundergelee-Rezept komme ich auch unbedingt zurück: Marmelade, Gelee & Co. habe ich noch nie gemacht – das wird wohl mal Zeit… 😉
      Viele Grüße, Steffi Wagner

  3. Pingback: Sommerglücksmomente! | Stephanie Wagner

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