Schön locker bleiben – Profitipps für Präsentationen

Neulich, bei einer Veranstaltung in Hamburg.

Wichtiges Thema von großem, öffentlichen Interesse, etwa 200 Zuhörer, verschiedene Redner kommen auf die Bühne. Über den nächsten Sprecher erzählt uns der Moderator, dass dieser seine Leitungsfunktion erst seit wenigen Wochen inne hat, die betreffende Institution sowieso erst vor kurzem ins Leben gerufen wurde und alle Abläufe sich erst noch einspielen müssen.

Auweia, denke ich, der Ärmste. Inhaltlich ist bei denen alles noch total unübersichtlich, er selbst auch noch nicht richtig mit der Thematik vertraut und hatte außerdem bestimmt nur wenig Zeit für die Vorbereitung seiner Präsentation: Der Super-GAU.

Können Sie sich in seine Lage versetzen?

Und nun stellen Sie sich außerdem vor, Sie sind das Sprechen vor Publikum nicht unbedingt gewöhnt – das merkte man ihm an – und gucken jetzt von der Bühne in ungefähr 200 kritisch-erwartungsvolle Gesichter. Fluchttendenzen? Hätte ich auch. Er hat sich aber tapfer durch etwa 25 Minuten gekämpft.

Mir geht es heute auch überhaupt nicht um die Qualität seiner Präsentation: Ich finde nämlich, er hat alle nur denkbaren mildernden Umstände verdient. Gegen eine unerwünschte Begleiterscheinung der Anspannung kam er während der ganzen Zeit allerdings nicht an:

Das Räuspern.

Er räusperte sich alle paar Sekunden. Es ließ sich nicht abstellen, kam völlig unwillkürlich und und mein Mitgefühl wuchs von Minute zu Minute. Ist Ihnen das schon mal passiert? Mir bislang gottseidank noch nicht, aber ich habe mich gefragt: Was MACHT man eigentlich, wenn einen das überkommt? Wie hilft man der Stimme, der Atmung, dem ganzen Körper, wenn die Anspannung auf der Bühne plötzlich überhand nimmt bzw. was kann man vorher tun, damit es gar nicht erst so schlimm wird? Und was gibt es sonst noch für Tipps für die mentale Vorbereitung?

Da muss ein Profi ran – das ist das perfekte Thema für den ersten Gastartikel auf meinem Blog! 😉

Meine Netzwerkkollegin Astrid Fiedler ist Imageberaterin und Präsentationsprofi – sie fand meine Idee richtig gut und hat exklusiv für Sie und mich ihre besten Tipps zu Papier gebracht: Voilà! Übrigens: Das Video von Astrids eigenem 1000-Zuhörer-Auftritt finden Sie ganz unten – starke Performance!

Gastartikel von Astrid Fiedler, Imagekonkret:

Tipp 1: Finden Sie heraus, welcher Rednertyp Sie sind.

Das kann man kostengünstig bei den Toastmasters oder in Workshops herausfinden und ausprobieren. Ich stehe heute relativ entspannt und locker auf der Bühne und habe viel Spaß dabei.

Tipp 2: Bereiten Sie sich fachlich gut vor.

Gut vorbereitet zu sein, das schützt davor auf die Nase zu fallen. Denken Sie einfach an die Kür der Eiskunstläufer, die sieht immer so leicht aus, es ging aber harte Arbeit voraus, das ist bei guten, lebhaften Vorträgen genauso.

Tipp 3: Geben Sie der Rede eine nachvollziehbare Struktur.

  • Eine interessante Einleitung.
  • 2-5 Hauptpunkte, die durch Beispiele hinterlegt werden.
  • Ein knackiger Schluss oder eine Zusammenfassung der Rede.

Flechten Sie Anekdoten oder kleine Geschichten ein.

Tipp 4: Machen Sie sich vor dem Vortrag mit der Technik und dem Ort /Raum, Saal vertraut.

Mein erster Vortrag ist mir noch lebendig in Erinnerung. Der Veranstalter hatte bereits alles vorbereitet und für mich den Platz hinter dem Stehtisch vorgesehen. Der Raum gab keine Möglichkeit her, etwas zu verändern, andernfalls wäre ich ständig in die Präsentation gelaufen. Seit dem weiß ich: Hinter dem Stehtisch ist kein guter Platz für einen Menschen, der nicht mal 1,60 m groß ist. Und ich weiß: Ich brauche Raum, äußere Enge lässt mich auch im Innen eng werden- keine gute Idee, wenn man einen lockeren Vortrag halten will.

Tipp 5: Bereiten Sie sich mental auf die Rede vor.Bühne

Ich habe vor einiger Zeit einen Vortrag vor 1000 Menschen gehalten. 1000 Zuhörer sind auch bei mir nicht die Regel und ich erinnere mich noch, wie kurz nach der Anfrage und meinem „JA!“ dazu meine Knie zitterten und mein Herzschlag im ganzen Körper zu spüren war – ich fühlte mich, als wäre ich kurz vorm Platzen.

Kurz danach habe ich mich gefragt, welche Schritte ich gehen will, um den Auftritt gut zu meistern. Meinen Rednertyp kannte ich, die fachliche Vorbereitung ist selbstverständlich. Um einen Eindruck zu bekommen, wie es ist, von der Bühne aus aussieht, wenn man vor 1000 Menschen spricht, bin ich in ein Tennisstadion gegangen und habe mir angeschaut, wie es so aussieht, wenn da 1000 Stühle stehen.

Ich habe versucht mir vorzustellen, wie es sich anfühlt zu ihnen zu sprechen.

Die mentale Vorbereitung ist für mich heute eines der wichtigsten Elemente bei der Vorbereitung. Ich stelle mir vor, wie ich auf die Bühne gehe, mich dort bewege und Spaß dabei habe. Und, ganz wichtig: Ich stelle mir vor, dass ich auch den Zuhörer in der letzten Reihe erreiche.

Wenn man eine Stegreifrede halten soll oder will, fehlt in der Regel genug Zeit für die mentale Vorbereitung. Dennoch kann man etwas tun:

  • Denken Sie einfach „Ja“.
  • Stellen Sie sich vor, Sie haben Engelsflügel, die Ihren Brustkorb weiten und Sie aufrichten.

Tipp 6. Bereiten Sie Ihren Körper vor, er ist Ihr Instrument.

Trinken Sie vorher keinen Kaffee – Kaffee trocknet die Stimmbänder aus und unterstützt bei Nervosität garantiert das Räuspern!

Der Körper will schwingen, damit die Stimme klingt. Um meinen Körper zu entspannen,  gehe ich meist vor einem Vortrag noch eine Runde spazieren und mache Atem- und Stimmübungen. Habe ich keine Zeit, mache ich die Stimmübungen im Auto. Sieht albern aus, ist aber äußerst effektiv:

  • P-T-K im Wechsel mit einem gehauchten Haaa kräftigt den Rumpf und entspannt die Stimmbänder – so bleibt die Stimme kraftvoll – auch vor großem Publikum.
  • MMMMhhh – mama –mmmhhh oder Ähnliches bringt den Klang nach vorne und der Kehlkopf entspannt.
  • Kurz vor dem Vortrag ist es hilfreich die Beine und Kniegelenke zu schütteln und damit zu lockern.
  • Recken Sie die Arme und machen Sie sich groß.
  • Beim Gang auf die Bühne denken Sie jaaaaa und atmen Sie aus.
  • Gehen Sie aufrecht, mit gemäßigtem Schritt auf die Bühne.

Bonustipps bei Aufregung auf der Bühne und für spontane Reden

  • Stellen Sie sich ein Glas warmes Wasser in die Nähe, so ein trockener Mund kommt unverhofft!
  • Atmen Sie langsam aus und entspannen Sie Ihren Kehlkopf.
  • Konzentrieren Sie sich auf Ihre Füße und stehen Sie mit lockeren Knien.
  • Bringen Sie ihre Stimme beim Sprechen nach vorne, s. Punkt 6.  Konzentrieren Sie sich beim Sprechen auf die Buchstaben M, B und P.

Diese Tipps helfen, dass der Kehlkopf schwingt und Sie sich auf der Bühne entspannter bewegen. astrid_fiedler_rahmen

Haben Sie Fragen? Lassen Sie es mich wissen.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß auf der Bühne, inspirierende Reden und ein waches Publikum.
Herzliche Grüße
Astrid Fiedler
www.imagekonkret.de
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Und hier geht’s zu Astrids „großem Auftritt“ vor rund 1.000 Menschen. Chapeau, Madame!

Bildnachweis „Bühne“: morguefile/octaviolopez

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