Profilschärfung vs. Persönlichkeitsentwicklung?

oder auch: Warum eigentlich nicht??

Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie merken, Sie fangen gerade etwas Neues an –
obwohl Sie das „eigentlich“ gar nicht vorhatten? 😉

Vorgeschichte: Ich hatte Urlaub. Einen von der Sorte, die als eher unsexy gilt: Zuhause bleiben. Stecker ziehen, alles runterfahren, mich treiben lassen und gucken, was passiert, wenn ich mal nichts tue. Das Bild, das mir dazu einfiel: Wenn man ein Prosecco-Glas stillhält, können die Perlen auch ganz ungestört und frei nach oben steigen.

In dieser Zeit habe ich schönes Wasser  kreiert und völlig neue Gelüste entdeckt, mich an
Düften und Klängen berauscht, in die Wolken geguckt und dem Gras beim Wachsen zugehört. Und dabei sind tatsächlich jede Menge Blubberbläschen nach oben geperlt:
in Form von absolut unerwarteten Impulsen…

Foto: Mareike Lange

Anschließend habe ich spontan darüber gebloggt – also quasi über völlig unprofessionelles Zeug wie sinnliche Momente im Alltag, Achtsamkeit und bewusstes Genießen: Weitab von Business-Kontext und, na, Sie wissen schon, ernstzunehmenden Themen… und die Resonanz auf diesen Blogartikel hat mich völlig verblüfft!

Meine bisherigen Artikel zu Business-Themen fanden durchaus wohlwollendes Interesse – aber dieser hier fing ohne mein Zutun sofort an, kreuz und quer durchs Internet zu flitzen wie eine Flipperkugel. Er wurde auf den verschiedenen Netzwerken geteilt, kommentiert und verlinkt. Was hatte ich da denn angezettelt?

Entweder oder? Sowohl als auch?

Seitdem komme ich über meinen Ich-fahr-mich-mal-runter-Urlaub und den besagten Artikel mit immer mehr Leuten  ins Gespräch, die ich bis dahin vorwiegend aus dem Geschäftsleben kannte, die in ihren jeweiligen Bereichen äußerst erfolgreich unterwegs sind. Und es scheint, als seien immer mehr Menschen all der Strategien und Konzepte, der Zahlen/Daten/Fakten ein bisschen überdrüssig und entwickeln eine Sehnsucht nach… soll ich das jetzt wirklich Herzensthemen nennen?

Ein taffer Rechtsanwalt guckte mich nachdenklich an und sagte schließlich: „Da fällt mir ein Spruch der Manitoba-Indianer ein: Wie soll die Welt dich finden, wenn du nie stehen bleibst?“

Das Telefon klingelte – meine Netzwerkkollegin Martina Bloch ( die Hamburger  „Akquisefachfrau“) hatte den Artikel auch gelesen: Sie verstehe mich sooo gut, denn in ihrem gerade beendeten Urlaub sei der tiefe Frieden der finnischen Landschaft in sie geflossen. O-Ton: „Es ist erwachsenes Unternehmertum, nicht immer nur zu rödeln!“ 😉

Neugierig & lächeln_Wüstentier

Ein Vertriebsleiter meinte augenzwinkernd: „Manche Manager gehen eine Woche zum Schweigen ins Kloster und zahlen dafür sechstausend Euro. Oder buchen eine Woche Unkraut zupfen und sagen hinterher: ‚ So ein intensives Erlebnis hatte ich noch nie.‘  Mit Ihrem Artikel bringen Sie die Leute wieder ein bisschen back to the roots: Gute Idee, mehr davon!“

Peng, da hatte ich es.
Und jetzt kommen Sie!

Nur nochmal zum Verständnis – grundsätzlich ist mein berufliches Thema ja Positionierung & Profilschärfung für Unternehmen: „Wofür steht mein Unternehmen, wie möchte ich wahrgenommen werden, wohin geht meine Begeisterung?“ Ein einzigartiges Unternehmensprofil, mit dem man „sich unverwechselbar am Markt positioniert“:

Das ist das Ziel, auf das ich mit meinen Kunden hinarbeite – und das sind die Themen, wofür die ich auch selbst wahrgenommen werden wollte und über die ich bisher vorwiegend gebloggt habe.  Businessorientiert, professionell, kompetent. Geschärftes Profil eben, auch für die Profilschärferin. Ist ja klar.

Und nun? Ausgerechnet ich kann doch jetzt nicht anfangen, beides… Nein, das geht nicht – dann nimmt mich doch niemand mehr ernst! Es gibt schon so viel Geschreibsel über Achtsamkeit, Denkmuster verändern, innere Landkarte, Work-Life-Balance, über „Was tut mir gut?“ oder „Was bin ich mir wert?“ – das passt doch nicht in mein Business. Oder??

Ich stelle fest: Das fließt doch sowieso alles schon längst in meine Arbeit ein.
Und je länger ich nun schon – seit dem Erscheinen des Artikels – an meinem vermeintlichen Dilemma herumkaue, desto mehr perlt es munter vor sich hin. 😉 .
Nur drei Beispiele:

  • Ich werde gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, ein Buch zu schreiben. (JA!!)
  • Ich bekomme eine wundervolle Mail vom Kunden:
    „…bin fasziniert, wie Sie es schaffen, die Einzigartigkeit meines Unternehmens und meines Teams herauszuarbeiten und in Szene zu setzen. Sie stellen die richtigen Fragen und bringen mich so dazu, mich intensiv mit mir, meinem „Laden“, meinen Wunschkunden, aber auch meinen Zielen, Wünschen, Träumen auseinander zu setzen…“ (HACH!!)
  • Eine Nachricht auf meiner Mailbox: „Ich verfolge schon eine ganze Weile, was Sie so machen und Ihr letzter Blogartikel war einfach wunderbar: Könnten Sie sich vorstellen, das, was Sie für Unternehmen anbieten, auch für Privatpersonen zu entwickeln? Wie eine Art Coaching?“ (JA!!)

Marienkäfer auf Geröll

Also doch Businessthemen und Persönlichkeitsentwicklung mixen?

Das kunterbunte Treiben auf unserer inneren Festplatte, also wie wir ticken und was unser Denken und Handeln beeinflusst, fasziniert mich schon seit Jahren: So viele Bücher gelesen, Fortbildungen besucht, selbst immer wieder neue Wege beschritten und dabei Misserfolge wie Höhenflüge erlebt, eigene Denkmuster auf den Prüfstand gestellt… Herrschaften, das ist eine so spannende Reise und begeistert mich immer wieder!!

Und während ich zwischendurch bei Twitter herumluschere, entdecke ich rein zufällig 😉 einen Blogartikel von Dr. Bernd Slaghuis mit dem sensationellen Titel: „Warum eigentlich nicht??“

Bääm!!!

Mit dieser simplen Frage zerbröselte endlich die scharfe Trennlinie in meinem Kopf, die ich bisher für nötig gehalten hatte. Im Gegenteil: Beides gehört zusammen – und ich mach‘ ja auch längst beides!

Wenn ich mit Unternehmern Fragen beleuchte wie „Wo stehe ich, wo will ich hin, worauf will ich zukünftig verzichten und worauf möchte ich mich konzentrieren…“, geht es dabei auch um  Dinge wie Lebensfreude, Begeisterung, Grenzen-im-Kopf-ausloten. Was ist mir wichtig? Wie sehe ich mich selbst und wie nehmen andere mich wahr?  Wenn ich darüber für mich persönlich Klarheit habe, hilft mir das auch im Job – und umgekehrt: Für ein gutes Leben eben.

Ab sofort Profilschärfung und  Gutes Leben!

Deshalb werde ich zukünftig über beide Themenbereiche bloggen und zwar durchaus auch mal losgelöst vom unmittelbaren Businesskontext. Dafür gibt es auf diesem Blog jetzt die Kategorie Gutes Leben. Und weil dazu auch Achtsamkeit, Sinnlichkeit und Genuss gehören, wird es hier auch mal um Düfte, Klänge, Innehalten und Tempo-drosseln gehen.

By the way: Dear Sirs, don’t worry – das wird hier trotzdem weder esoterisch noch uschi-mäßig. Und den Kolleginnen von der Food- und LifeStyle-Fraktion werde ich auch nicht ins Handwerk pfuschen.

Als ich letztes Jahr mit dem Bloggen anfing, hat mich der Leitspruch der langjährigen Bloggerin Anke Groener ermutigt: „Blog like nobody’s watching!“. Also nehme ich mir den jetzt nochmal zu Herzen und hoffe natürlich trotzdem, Ihnen gefällt der neue Mix. Falls nicht: Ich habe in dem Magazin HoheLuft einen wunderbaren Spruch gefunden, den ich einfach großartig finde (und – wie man sieht – auch schon zur weiteren Verwendung ausgeschnitten habe: Dazu später mehr 😉 ):

Wagt es!

 

PS: Lieber Herr Dr. Slaghuis, Sie verzeihen mir hoffentlich, dass ich Ihren Blogtitel geklaut habe. 🙂

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7 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Frau Wagner,
    nach unserem Gezwitschere war ich ja schon ziemlich neugierig. Und hier ist das Resultat. Toll! Es ist doch immer faszinierend, wenn es endlich BÄÄM macht und auf einmal alles klar wird und Entscheidungen getroffen sind. Es freut mich riesig, dass ich mit meinem Artikel dazu beitragen konnte. Und auf „Warum eigentlich nicht“ habe ich kein Patent, also nur zu. Diese Frage ist es außerdem wert, noch viel häufiger „geklaut“ und in die Welt getragen zu werden. Viel Erfolg mit dieser schönen neuen Mischung, ich werde dran bleiben 😉
    Liebe Grüße aus Köln,
    Bernd Slaghuis

    • Lieber Herr Slaghuis,
      Sie sind aber fix! Ich feile immer noch an dem Artikel herum und Sie haben ihn schon längst per Tweet in die Welt geschickt – das ist doch mal wieder typisch für die eigenen Denkmuster. Erwischt 😉 ! Also: Vielen Dank für diese wundervolle, wirklich ermutigende Rückmeldung: Ich freu‘ mich sehr!!!
      Fröhliche Sommergrüße,
      Steffi Wagner

  2. Liebste Steffi,
    super, ich freu mich – mach weiter so!
    Viel zu oft ergeben wir uns der Schere im eigenen Kopf und beschneiden uns selbst in unseren Möglichkeiten („ich kann das doch gar nicht; Andere können das viel besser; das passt doch gar nicht zu dem, was ich sonst mache, was sollen denn die Kunden denken…blablabla“). Zum einen reicht es, wenn wir gut sind, in dem was wir tun – wir müssen nicht in allem die „Allerbeste“ sein. Zum anderen: wenn wir etwas von Herzen wollen und mit „Leib und Seele“ dabei sind, dann passt dieses „Etwas“ auch zu uns und wir werden eine Brücke finden, die das, was wir bisher gemacht haben und auch weitermachen wollen, mit dem Neuen verbindet.
    Nicht immer müssen wir ein „Lebens-„Buch schließen und ein neues anfangen; manchmal ist ist es genau richtig, dem bestehenden Buch zusätzliche Kapitel hinzu zu fügen.
    In diesem Sinne: ich freu mich, Dich gefunden zu haben und mit Dir zu arbeiten!
    Herzlichst,
    Gerhild

    • Liebe Gerhild,
      merci für dieses tolle Feedback – du hast das Ganze nochmal wunderbar auf den Punkt gebracht. Und ich kann das Kompliment nur zurückgeben: Mit dir als Kundin ist die Zusammenarbeit aber sowas von bereichernd und macht einfach richtig Spaß!! 🙂

  3. Liebe Steffi,
    BÄÄM klingt sehr überzeugend, genau wie „Warum denn nicht?!“. Ich bin davon überzeugt, dass es wichtig ist, sich immer wieder neu zu erfinden.
    Allerdings merke ich auch gerade, dass manchmal ein wenig Kontinuität auch ganz gut tut…
    Ich bin sehr gespannt auf deine neue Mischung und bin völlig sicher: Das passt!
    Und jetzt muss ich weiter, hab das gerade ne Idee….
    Liebe Grüße,
    Inga

    • Liebe Inga,
      oh ja – manchmal finde ich mich selber etwas anstrengend, wenn ich genau das tue, nämlich mich selbst gerade mal wieder neu zu erfinden. Ich mach‘ das jetzt mal eben und dann ist erstmal wieder Kontinuität dran. Hoffe ich. 😉
      Viele Grüße, Steffi

  4. Pingback: Sommerglücksmomente! | Stephanie Wagner

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