Perspektivwechsel – aber wie??

Sie kennen das: Es läuft einfach gerade nicht. Man verrenkt sich das Hirn, verbeißt sich immer mehr in ein Problem oder eine Frage, sucht nach einer Idee, einem neuen Impuls – aber man steckt fest.

Das Gedankenkarussell dreht immer dieselben Runden, die Inspiration hockt wie Rapunzel im Turm und lässt ihr Haar nicht herunter, der Blickwinkel klemmt und das Murmeltier grüßt sowieso täglich. Sie googeln „Kreativitätstechniken“ – aber das Ergebnis lässt Sie auch eher unfroh zurück. Etwas anderes muss her. Aber was?

Perspektivwechsel reloaded.

Der Wechsel von der Maulwurfs- in die Adlerperspektive spielt in der Arbeit mit meinen Kunden eine wichtige Rolle. Aber was machen Sie denn, wenn Sie  feststellen, dass Ihnen alles Rumhirnen derzeit einfach nicht dabei hilft, auf den Tellerrand zu steigen? Und wenn Sie gerade keine Lust mehr haben auf intellektuelle oder mentale Bauchmuskelübungen – was dann?

Hier kommen meine privat-persönlichen Tipps: Für Sie getestet. 😉

Bewegung

Kenn Sie den Begriff Motologie?

Das ist ein akademischer Studiengang und bezeichnet die Lehre von den Zusammenhängen zwischen Bewegung und Psyche: Seeehr spannendes  Thema! Zum Beispiel ist es mittlerweile hinlänglich bekannt, dass in der Depressionstherapie Joggen bzw. Walken als probates Mittel eingesetzt wird und man damit teilweise sogar Antidepressiva ersetzen kann.

Aber wussten Sie auch, dass beispielsweise Grundschulkinder, die sich mit dem Subtrahieren schwer tun, diese Fähigkeit durch spielerisches Rückwärtslaufen trainieren können? Erkenntnisse dieser Art helfen uns auch, wenn wir nicht unter Depressionen leiden oder mit dem Rechnen auf Kriegsfuß stehen, denn:

Bewegung verändert unsere Sicht. Alsdann:

1. Gehen Sie – und zwar raus.
Den Aspekt der körperlichen Fitness vernachlässigen wir jetzt ausnahmsweise: Es geht um die mentale Seite. „Da sind wir einen großen Schritt weitergekommen!“ Dieses Sprachbild ist eine Steilvorlage: Wenn Sie gedanklich von der Stelle kommen wollen, machen Sie Schritte, im wahrsten Sinne des Wortes!!

Joggen ist toll (finde ich), aber wenn das nicht so Ihr’s ist, dann gehen Sie und zwar zügig. Im Idealfall tun Sie das dort, wo es grün ist, Ihre Augen sich ausruhen können und Ihre Gedanken Platz haben, sich auszubreiten:  In Feld, Wald, Wiese, Berg oder Tal.

Wenn Sie in der Stadt wohnen, gibt es bestimmt einen Park in Ihrer Nähe. Und zur Not tut es auch ein Marsch an einer wenig befahrenen Straße, bei Dunkelheit sowieso. Haben Sie Spaß an technischen Spielereien? Dann legen Sie sich einen Schrittzähler zu. Gehen oder laufen Sie und lassen Sie unbedingt das Smartphone zuhause. Ich meine das ernst: Diese halbe Stunde kommt die Welt ohne Sie aus.

Keine Lust? Zu busy, zu bequem, zu igendwas? Dafür habe ich hier schon mal was geschrieben…

Buddha_im_Garten_Anja

2. Üben Sie sich in Balance – in echt.
Wenn Sie aktuell Ihre eigene Mitte etwas aus den Augen verloren haben, wenn Sie beruflich oder privat etwas (wieder) in Balance bringen wollen, dann tun Sie genau das:

Suchen Sie sich etwas zum Balancieren. Einen Baumstamm, einen Kletterbalken auf dem Spielplatz; Sie finden garantiert etwas. Wann haben Sie das letzte Mal balancieren geübt – als Kind? Sie werden feststellen: Ist gar nicht so leicht…

Das Tolle ist: Die physische Balance öfter zu trainieren, hilft auch der inneren. Und: Haben Sie das mal 10 Minuten am Stück probiert, sind Sie auch ganz automatisch 10 Minuten lang von Ihrem Gedankenkarussell abgestiegen. Ihre Konzentration richtet sich nämlich ganz schnell ausschließlich auf das, was Sie da tun. Für Profis: Steigern Sie sich. Sie können auf dem Balken umdrehen, rückwärts laufen, die Arme nicht mehr als Stabilisatoren ausbreiten usw. Je öfter Sie das tun, desto nachhaltiger ist die Wirkung. Versprochen.

3. Probieren Sie ungewohnte Bewegungsabläufe aus.
Trainieren Sie Ihre Synapsen! Nehmen Sie zum Zähneputzen die andere Hand und versuchen Sie das auch mal beim Aufschließen Ihrer Haustür. Steigen Sie rückwärts eine Treppe rauf, kugeln Sie sich mal wieder einen Deich oder einen Abhang hinunter und wann haben Sie eigentlich das letzte Mal geschaukelt?

Durch das Erlernen neuer oder das Auffrischen lange nicht mehr ausgeübter Bewegungsmuster bilden sich im Hirn – zusätzlich zu den ständig befahrenen Autobahnen – neue Trampelpfade, die uns auch im Mentalen unentdeckte Dinge erschließen. „Jaa“, werden Sie sagen, „das ist doch ein alter Hut…“ Das weiß ich: Aber machen Sie’s doch mal!!

4. Meditation.
Oh, meine Herren, ich weiß: Bloß kein Esoterikgedöns. Aber die positiven Auswirkungen von Meditation sind inzwischen wissenschaftlich bewiesen (Neugierige, Leftbrainer und Zweifler: Bitte werfen Sie einen Blick in die Süddeutsche Zeitung). Es gibt fabelhafte, geführte Meditationen auf Youtube, auch ohne Sphärenklänge, Singsang, Vogelzwitschern und Wellenrauschen. Mein Favorit ist das hier: 15 Minuten geistiges und mentales Refreshen. Augen zu und los.

 

5. Schreiben Sie: Mit der Hand (!).
Und zwar eine Zeitlang jeden Tag: entweder morgens oder abends, mindestens zwei, am besten drei DIN-A4-Seiten: alles, was Ihnen durch den Sinn geht. Auch wenn das nach Ihrem Empfinden überwiegend banales Zeug ist und Ihnen sonst nichts einfällt – ganz egal, dann schreiben Sie genau das. Ruhen Sie sich sozusagen auf dem Papier aus.

Erstens liest das niemals jemand außer ihnen – und das sollten Sie übrigens in der ersten Zeit auch auf keinen Fall tun: Sonst meldet sich nämlich Ihr innerer Kritiker unverzüglich zu Wort und redet Ihnen das Geschriebene mies. Zweitens fangen die Gedanken irgendwann von selbst an, aus der Feder zu fließen… und ganz allmählich entsteht so etwas Neues, kommen Impulse, Bilder, Ideen. Hier passt einer meiner Lieblingssätze: Gras wächst auch nicht schneller, wenn man dran zieht.

Das Schreiben mit der Hand passt sich dazu noch vom Tempo her dem Gedankenfluss an und berührt außerdem Ihre Sinne auf ganz anderen Kanälen als das mechanische Herumhacken auf einer Tastatur.

Suchen Sie sich „schönes“ Schreibgerät und Papier: Letzteres könnte ein besonders gestaltetes, gebundendes Buch sein. Oder Sie nehmen richtig gutes Briefpapier und heften die Bögen in einen Ordner, der ebenfalls ein schönes Design haben darf (bloß kein oller Leitz-Ordner!) – so mache ich es.

„Schreiben ist sich selber zuhören.“

6. Danke sagen.
Misserfolge, Konflikte, Selbstzweifel oder anderer Nervkram scheinen in Ihrem Leben gerade zu überwiegen? Amerikanische Hirnforscher haben einen großangelegten Test gemacht (leider finde ich den Link zu dieser Studie nicht wieder, bitte glauben Sie es mir einfach so 😉 ):

Eine Gruppe von Menschen, denen es gerade auch so erging, sollte 21 Tage lang jeden Abend vor dem Schlafengehen drei verschiedene Dinge aufschreiben, für die sie an dem jeweiligen Tag dankbar gewesen waren. Das Ergebnis war: Obwohl sich die äußeren Umstände nicht geändert hatten, ging es den Probanden wesentlich besser. Sie waren fröhlicher, zuversichtlicher und insgesamt wieder positiver gestimmt.

Das habe ich ebenfalls schon probiert – es funktioniert. Das bedeutet nicht, das Sie und ich sonst undankbar sind. Aber: Worauf sich meine Aufmerksamkeit richtet, das verstärkt sich. Und wenn wir unserer Aufmerksamkeit 21 Tage lang abends im Bett noch einmal auf das konzentrieren, was an diesem Tag Gutes passiert ist – dann nehmen wir das mit in den Schlaf und programmieren uns auf diese Weise ganz behutsam um.

Wir verändern unseren Blickwinkel, unseren Wahrnehmungsfilter und zack! geschehen wundersame, erfreuliche Dinge.

Probieren Sie es doch einfach mal aus –

schaden kann es ja schließlich nicht, oder? Ein Versprechen möchte ich Ihnen allerdings abnehmen: Tun Sie’s nicht nur ein oder zwei Mal. Die Hirnforscher sagen, um eine neue Gewohnheit zu etablieren, braucht es mindestens 21 Tage: Dann geht uns das Neue allmählich „in Fleisch und Blut über“.

Geben Sie dem Neuen eine Chance: Das macht Spaß und hält das Hirn geschmeidig. Und dann klappt’s auch mit dem Perspektivwechsel.  😉

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Steffi,

    ein sehr interessanter und anregender Blogbeitrag. Das mit der Bewegung und dem Laufen war mir klar, bzw. das praktiziere ich ganz intensiv (mit Erfolg). Die anderen Vorschläge werde ich mal ausprobieren (insbesondere den 3-fach-Dank). Meditation eher nicht – da bleibe ich dem (vermeintlichen) Geschlechterbild treu 😉

    Uwe

    • Lieber Uwe,

      freut mich sehr, dass dir der Artikel gefällt. Warum überrascht es mich nicht, dass die Meditation und du (noch) keine Freunde werden…? 😉 Sehen wir das Ganze wie ein Buffet: Es ist hoffentlich für jeden etwas dabei und jeder nimmt sich das, worauf er Lust hast. Und davon holt er sich entweder immer wieder nach oder vielleicht probiert er ja auch mal ein neues Gericht. Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen!

      Viele Grüße, Steffi

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