My way: Wie ich wurde, was ich bin.

„Das ist ja spannend – wie sind Sie denn darauf gekommen?“

Hören Sie die Frage auch öfter, wenn Sie jemandem erzählen, was Sie beruflich machen? Ich ja und wenn ich meine Story dann erzähle, ist mein Gegenüber meistens ziemlich baff. Passt also perfekt für einen Blogartikel.

„Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird.
Aber ich weiß, dass es anders werden muss,
damit es besser werden kann.“

Das war meine Situation 2012 nach anderthalbjähriger Zwangspause: krankgeschrieben, inklusive ausgiebiger Reha und Zeit zum Nachdenken. Letzteres führte zu folgenden Erkenntnissen:

Erstens: Ich gehe nicht wieder in meinen sicheren, gut bezahlten Angestelltenjob zurück. Ich war sechs Jahre lang bei einem mittelständischen Unternehmen für  Unternehmenskommunikation, Presse-/Öffentlichkeitsarbeit und weltweiten Vertrieb zuständig gewesen, und mir war inzwischen klar: Ich möchte einfach nicht mehr angestellt sein. Ist vielleicht ein typisches Syndrom bei uns Unternehmerkindern, wer weiß. 😉

Zweitens: Ich wollte nach vielen Jahren endlich aus meiner Heimatstadt Verden raus. Es zog mich schon lange nach Hamburg . Herzensstadt, „meine Perle“, Sie wissen schon.

Dann mal los.

Meine Tochter machte 2012 ihr Abitur und wollte danach ins Ausland: Folglich war ich nicht mehr ortsgebunden und konnte frei entscheiden. Also habe ich alle Zähler auf Null gestellt und mir eine Wohnung vor den Toren Hamburgs gesucht, mein bisheriges Leben in Kisten gepackt und bin im Sommer 2012 ins Ungewisse gestartet:

Kaum  Kontakte in Hamburg und ohne konkreten Plan, dafür mit einem unbändigen Willen nach Veränderung und nach Freiheit. Das war vermutlich ein bisschen bescheuert, aber für mich alternativlos. Wie ein Sprung von der Klippe: Runter kommste immer.

Und wie gesagt: „…dass es anders werden muss, damit es besser werden kann.“

Nach kurzer Orientierungsphase der nächste Schritt: Existenzgründerseminar besucht, Steuernummer beantragt und mich Anfang 2013 selbständig gemacht, Zack, fertig.  Meine erste Website lief unter dem Titel „Projektehaus“ und stand für „Projekte rund um Marketing, Unternehmenskommunikation, Webtexte und das Schreiben von Reden“.

Sollten Sie jetzt den Eindruck haben, dass dieses Geschäftsmodell ebenfalls nicht besonders sorgfältig geplant und gut durchdacht war, liegen Sie richtig. Auch hier war das Motto „Ein Weg entsteht, wenn man ihn geht.“

Jetzt war Akquise angesagt: Ich suchte mir passende Unternehmernetzwerke und Veranstaltungen und marschierte los, unbekümmert und frohen Mutes. Mich kannte niemand und ich hatte – zumindest gefühlt – auch noch nicht so richtig was vorzuweisen, aber egal. Ich startete bei Facebook, lernte mit WordPress umzugehen, fing an zu twittern und zu bloggen. So habe ich unzählige Dinge zum allerersten Mal gemacht – einfach ausprobieren und gucken, was passiert (Inzwischen gibt’s auch ein Instagram-Profil. 😉 ).

Irgendwann kam die ersten Aufträge,

unter anderem für Webtexte und ich stellte fest: Irgendwie steht auf allen Unternehmenswebseiten das gleiche Bullshit-Bingo. Kompetent, authentisch, nachhaltig, zuverlässig, Qualität, blablabla. Ich hakte nach und siehe da:  Die Kunden wünschten sich zwar neue Webtexte, konnten selbst nicht so richtig sagen, was ihr Unternehmen  unverwechselbar macht und von der Konkurrenz unterscheidet. Klares Unternehmensprofil? Fehlanzeige.

Das Thema Markenbildung rückte in den Vordergrund. Was macht kleine und mittelständische Unternehmen zur Marke und damit wirklich einzigartig?

Ich entwickelte ein Beratungskonzept in drei Modulen mit gezielten Fragen, um nach den Goldnuggets in der Persönlichkeit meiner Unternehmerkunden zu suchen: Nach ihrer Begeisterung und ihren Stärken, Talenten, Wünschen und Zielen.

Ich fragte viel, hörte aufmerksam zu und die Kunden freuten sich über diese Möglichkeit zur Reflexion. Die Beratung bekam zunehmend Coaching-Charakter, erstreckte sich bald auch auf Management- und Führungsthemen sowie auf die gesamte Marketingstrategie meiner Kunden. Die waren überaus zufrieden und mir machte das Ganze großen Spaß –  viel mehr als das Texten, weshalb ich damit schon bald und gern wieder aufgehört hatte.

Und als Kirsche auf der Torte entdeckte ich auf diesem Weg selbst auch neue Stärken und Talente: Ich bin richtig gut darin, in Gespür für meinen Gesprächspartner zu entwickeln, zwischen den Zeilen zu lesen und zu lauschen, die „richtigen“ Fragen zu stellen, Ideen anzustoßen, zu ermutigen und zu bestärken. „Trüffelschwein-Qualitäten“ sozusagen.

2015 war deshalb der erste Relaunch fällig und aus „Projektehaus“ wurde folgerichtig:

Stephanie Wagner, Positionierung und Profilschärfung.

Neue Domain, neue Website, neues Logo, letzteres übrigens entworfen von Mara Saueracker, the world’s best Kommunikationsdesignerin!

In dieser ganzen Zeit lernte ich weiter, quasi im Dauermodus – durch Vorträge, Podcasts, Fachliteratur, Gespräche. Wie verändern sich Führung, Management und Unternehmertum, was bringt die Digitalisierung mit sich und wie beeinflussen die sozialen Medien unsere Gesellschaft?

Sehr spannend sind für mich auch die Themen Agilität und Digital Leadership: Nicht unter dem Aspekt der Organisationsentwicklung, sondern mit Blick auf die menschliche Seite. Was brauchen Unternehmer und Führungskräfte, damit sie mit all den neuen Anforderungen zurecht kommen..?

Außerdem wollte ich immer verstehen, wie Menschen ticken, auch aus Eigeninteresse. Die meisten von uns kennen das und ich allen voran: Bremser und Antreiber, Selbstzweifel und negative Glaubenssätze – diverse fiese Trojaner, die sich seit Jahren auf der eigenen Festplatte im Kopf eingenistet haben und im Hintergrund immer mitlaufen.

Übrigens, um Missverständnissen vorzubeugen: Das ist kein reines „Frauending“, sondern geht auch sehr vielen Männern so. Deren Trojaner sind meistens etwas anderer Natur und sie tarnen die besser 😉 .

Persönlichkeitsentwicklung und Kommunikationsgrundlagen beschäftigen mich deshalb schon bereits seit vielen Jahren:

Wie „funktionieren“ wir? Welche Ängste, Glaubenssätze, Denk- und Verhaltensmuster lassen uns oft immer wieder in „eigentlich“ ungewollte Schienen rutschen? Wie wirkt sich das auf unsere Kommunikation aus – und wie kommen wir da raus?

Selbstliebe und Selbstwert: für Unternehmer ein wichtiges Thema. Was sind wir wert – uns selbst und anderen?  Bücher zu diesem Thema habe ich regalmeterweise gelesen, von C. G. Jung bis Schulz von Thun.

Selbständigkeit ist der beste Weg zur Selbsterkenntnis.

Beim Thema „sich sichtbar machen“ im Business schlägt nämlich in Sachen Selbstwert die Stunde der Wahrheit. „Authentisch“ zu sein, ist ja unumgänglich – aber was heißt das denn eigentlich?

Dafür müssen Sie nämlich erst mal wissen, wer Sie sind, was Sie ausmacht – und dann noch den Mut entwickeln, sich auch so zu zeigen. Das macht uns angreifbar und verletztlich, vor allem im Business. Diese Klarheit ist nicht zack! mit dem Tag der Gründung gleich da, sondern kommt erst im Laufe der Zeit. Und bei mir hat es halt eine ganze Weile gedauert. Das kennen Sie vielleicht auch.

Deshalb waren die ersten Jahre meiner Selbständigkeit alles andere als ein linearer Prozess. Wie sagt man so schön: Es mäandert. 😉  Und weil Geschäftsentwicklung nun mal Persönlichkeitsentwicklung voraussetzt und Gras auch nicht schneller wächst, wenn man dran zieht, ging eben auch meine Umsatzentwicklung zeitweise nur in minikleinen Schritten voran.

Meine finanziellen Reserven waren endlich und mein Kontostand gab zwischendurch durchaus Anlass zur Sorge. Da kann man unterwegs schon mal kurz den Glauben an sich und den Erfolg verlieren. Aber bitte wirklich nur ganz kurz, denn:

Failure is not an option – so einfach ist das.

Im Laufe der Zeit wurde ich immer öfter empfohlen; mit dem stetigen Netzwerken wuchs meine Sichtbarkeit im Großraum Hamburg und durch Social Media auch überregional.

Irgendwann war die erste Anfrage von einem größeren Unternehmen für  einen Inhouse-Workshop im eMail-Postfach  (juhu!) und vor zwei Jahren kam dann der erste Kunde von auswärts: Er nahm für jeden der drei Beratungstermine 400 Kilometer Anfahrtsweg pro Strecke auf sich und das empfand ich als ein unglaubliches Geschenk.

Ich begriff  zunehmend, welchen Wert meine Arbeit hat: Ich tue etwas, das Sinn macht, andere voran bringt, mir Freude bereitet und gut bezahlt wird. Das ist für mich der schönste Job der Welt.

Und zwischendurch auch immer wieder Anfänger sein:

Ich fing an, Vorträge zu halten, erst im ganz kleinen Kreis, dann wurden es immer mehr Zuhörer. Das macht mir inzwischen großen Spaß, die „Bühnen“ werden größer und vor kurzem interessierte sich zum ersten Mal eine  professionelle Redneragentur für mich – wie cool ist das bitte?!?

So. Jetzt kennen Sie „My Way“.

Ich habe inzwischen vielen Kunden „Wind unter die Flügel gepustet“ und dabei selbst das Fliegen gelernt. Mittlerweile haben sich aus der Profilschärfung bereits wieder neue Felder entwickelt, sodass hinter den Kulissen eine neue Dachmarke für „Stephanie Wagner“ entsteht. Der nächste Relaunch wartet schon um die Ecke.

Neugierig, wie es dazu gekommen ist? Das steht im vorherigen Blogartikel „Wenn’s am schönsten ist…“.

Und falls es Sie interessiert, wie es damit weiter geht: Der nächste Blogartikel ist schon in Arbeit (keine Sorge: So lang wie dieser wird erstmal keiner mehr).

Fazit: Ich habe den Gang in die Ungewissheit nie bereut, denn er hat mich auch in die Freiheit geführt. Und es gibt einen Kampf, den ich zwar ab und zu immer noch führe, den ich aber nie wieder zu verlieren gedenke – den Kampf um den Glauben an mich selbst. So! 🙂

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Vielen Dank Frau Wagner für Ihre Geschichte, für „My Way“ und das „Why“, für Ihre Offenheit.

    Ich bin noch am Anfang meiner Selbstständigkeit und ab und an scheine ich auch mal den Glauben an mich und an den Erfolg zu verlieren. Dann macht so eine Geschichte wie die Ihre mir wieder Mut. Aufgeben ist auch für mich keine Option, denn mit meiner Selbstständigkeit wächst ebenso meine Persönlichkeit.

    Ich freue mich darauf, mehr von Ihnen zu lesen.

    Herzliche Grüße
    Katrin Gerke

    • Liebe Frau Gerke,
      das ist die schönste Rückmeldung zu meinem Artikel, die ich mir denken kann – vielen Dank! Ich schicke Ihnen jede Menge Zuversicht und Mut rüber und wünsche Ihnen die „richtigen“ Menschen, die Ihnen den Rücken stärken. Und wenn es mit dem Glauben an sich selbst gerade mal nicht so läuft, hat mir immer die Frage geholfen „WARUM mache ich das hier?“. Dann ging’s wieder. 🙂
      Alles Gute und viele Grüße,
      Stephanie Wagner

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Bitte rechnen Sie: * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.