Gefühle im Business – jetzt wird’s emotional.

Stephan Stockhausen von der Manufaktur für Wachstum hat zu einer fabelhaften Blogparade eingeladen: Emotion schafft mehr Wert. Genau mein Thema, präziser gesagt, mein Herzensthema 🙂 . Auf geht’s!

Es gibt in dieser Blogparade schon viele großartige Beiträge, die diesen Ansatz aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln betrachten:  Jede Menge Impulse und Inspiration. Hier kommt nun meine persönliche und selbstverständlich sehr emotionale Sicht.

Neulich, eine große Business-Veranstaltung.

Lauter hochrangige Manager und erfolgreiche Unternehmer. Viele dunkle Anzüge – mein Haus, mein Boot, meine Bilanzen. Überall werden tolle Erfolgsgeschichten erzählt und ganz große Räder gedreht. Klappern gehört zum Handwerk und macht ja auch Spaß 😉 .

Ich komme mit jemandem aus einer höheren Management-Ebene ins Gespräch und er steigt sehr dynamisch ein: Proaktiv ist ein Begriff, der immer wieder fällt; er reist beruflich sehr viel durch die Weltgeschichte, es geht um Vertriebsstrukturen und ROI, Märkte und Strategien. Ich höre aufmerksam zu, weil ich ihn sympathisch finde.

Nach einer Weile verändert sich das, worüber er spricht: Er berichtet, dass ganze Teams nur noch virtuell kommunzieren und man „überhaupt kein Gefühl mehr dafür hat, mit wem man da eigentlich zusammenarbeitet“. Und dass sein Vorschlag, sich doch mal irgendwo an einem zentralen Ort zu treffen, leider auf taube Ohren gestoßen sei. Das Tempo erhöht sich, die Luft wird dünner und kälter.

Der Mann, dem sein Job ja grundsätzlich Spaß macht, erzählt weiter; zwischen den Zeilen höre ich immer mehr Dinge, mich innerlich frösteln lassen. Der traurige Höhepunkt: „… und dann war ich irgendwann geschieden.“

Benefit und Benchmarks…

…Leadership und Leistung, Zahlen und Ziele. Kennen Sie den Song „Denken Sie groß!“ von Deichkind? Der Text bringt es auf den Punkt, denn genau darum geht es:

 

Geht Erfolg nur noch so?

Mittlerweile haben schlaue Strategen in den Unternehmen das Problem natürlich erkannt und das Beraterheer rückt an: Jetzt werden neue Tools und Strategien implementiert, damit der Faktor Mensch  wieder stärker in den Fokus rückt. Neuerdings gibt es Wertschöpfung durch Wertschätzung, es werden Feelgood-Manager engagiert  und Führungskräfte in Empathie geschult. Neulich las ich von einem Seminar für Personalverantwortliche und Vertriebler mit dem Titel „Wa(h)re Liebe“. Himmel!!

Man kommt sich alllmählich vor wie im Kühlschrank. Was ist hier los?

Ich finde, in weiten Teilen ist das Business immer mehr ent-menschlicht. Das zeigt sich auch in der Sprache: Unternehmenswebsites strotzen vor nichtssagenden Textbausteinen – aber natürlich steht bei fast allen „der Mensch im Mittelpunkt  unseres Tuns“, sind die „Mitarbeiter unser wichtigstes Kapital“. Und in den meisten Präsentationen sterben die Zuhörer entweder einen langsamen Tod durch endlose Worthülsen und chartgespickte Folien oder ein auf Performance  getrimmter Speaker bringt  inszenierte Leidenschaft auf die Bühne.

Kaum einer traut sich, etwas von sich preiszugeben, mit Persönlichkeit und Begeisterung die Herzen im Geschäftsleben zu berühren. Geschweige denn mit einer Geschichte vom Misserfolg: Keiner macht Fehler, überall ist man zielorientiert, fokussiert und „gut aufgestellt“. Im Übrigen: Wer Spaß bei der Arbeit hat, ist kein Profidarüber habe ich hier schon mal gebloggt.

Selbst-PR ist angesagt, wo man geht und steht und genetzwerkt wird vorwiegend strategisch. Außerdem: Alle reden, kaum jemand hört mehr zu. Sie kennen solche Begegnungen. Wo bleibt da eigentlich das aufrichtige Interesse an den Menschen, mit denen ich zu tun habe?

What about Vertrauen?

So sieht es in vielen Unternehmen aus und das erleben wir auch als Selbständige immer wieder im Geschäftsleben. Und wie ergeht es den Kunden? Ich habe gerade „schwarmdumm“ von Gunter Dueck gelesen und war einfach nur geschockt. Schelten Sie mich naiv, aber ich wusste bislang nicht, dass die Beratung von Bankkunden inzwischen nichts mehr mit dem Wohl des Kunden zu tun hat, sondern nur noch mit Produktpolitik zwecks Gewinnmaximierung.

Natürlich wollen wir alle Geld verdienen, aber der Preis, den Unternehmen für solche Strategien zahlen, ist verdammt hoch.

Überall ist inzwischen Misstrauen angesagt: Wenn wir als Kunde den Mobilfunk- oder den Stromanbieter wechseln, gehen wir grundsätzlich erstmal davon aus, irgendwas im Kleingedruckten zu überlesen und deshalb übers Ohr gehauen zu werden. Und wir kennen alle das Phänomen, dass die Hersteller elektrischer Geräte deren Heldentod  kurz nach Ablauf der Garantiefrist ganz gezielt schon in den Produktionsprozess einbauen.

Auf-der-Hut-sein als Grundlage einer Geschäftsbeziehung? Wir haben uns mittlerweile daran gewöhnt, aber das ist doch im Grunde unfassbar!

Was ist mit Glaubwürdigkeit und Rechtschaffenheit, sprich gutem, kaufmännischen Gebaren? Dazu gehört auch, nicht nur den eigenen Vorteil im Blick zu haben, sondern das schöne Wort Gemeinwohl wieder zum Leben zu erwecken – und das beeinflusst entscheidend das menschliche Miteinander in der Wirtschaft.

Der Satz „Was du nicht willst, das man dir tu’…“ funktioniert ja schließlich auch im Umkehrschluss: „Wie man in den Wald hineinruft…“. Zwei ganz simple Aussagen, die auch die Grundlagen fürs Geschäftsleben bilden sollten.

Ich bin wahrlich kein konservativer Typ, aber ich möchte diese Werte und die damit verbunden Emotionen wieder nach vorn holen: Verantwortung, Freude, Vertrauen, Mitgefühl, Mut zu Offenheit, Neugier und auch zu Fehlern, Fürsorge für sich und andere. Also: Back to the Roots.

Machen Sie mit?

Seit dem eingangs geschilderten Gespräch mit dem Manager-in-der-Kältezone begegnet mir dieses Thema immer öfter und überall wird deutlich: Es gibt eine tiefe Sehnsucht danach, raus aus diesem Schneller-Höher-Weiter, hin zu mehr Emotion, Herz und Menschlichkeit.

Und das steht keineswegs im Gegensatz zu Professionalität, Gewinnstreben und wettbewerbsorientiertem Denken. Das ist kein spinnerter, philantropisch angehauchter Wunschtraum, sondern ein entscheidender betriebswirtschaftlicher Faktor. Denn wenn wir all diesen Emotionen wieder mehr Raum und Bedeutung geben, entwickeln Kunden auch wieder Vertrauen und Unternehmen hören auf, ihre Mitarbeiter zu verheizen. Und das ist gut fürs Geschäft. In diesem Sinne:

Mehr Wert durch Emotion?
Mehr Menschlichkeit und Herz im Business? Ja, unbedingt.

Herz auf Holzbank

 

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Stefanie, du sprichst mir aus der Seele. Scheinbar sind in der „normalen“ Wirtschaft sämtliche Prinzipien mit Füßen getreten. Emotionalität – sprich – Fühlen ist nur EIN Prinzip, das Beachtung finden muss, die beiden anderen sind Denken und Handeln. Was dahinter steht:
    Zugehörigkeit (fühlen), Achtsamkeit (denken) und Ordnung (handeln). Sind diese drei im Einklang und beachtet, findet ein harmonisches Miteinander statt. Sind sie – so wie in der Wirtschaft allgemein üblich – mit Füßen getreten, fehlt das Vertrauen und dann wirds richtig teuer: Kontrollen sind nötig und Kontrollen der Kontrollen.
    Mich begeistert einfach das Einhalten der Systemprinzipien und damit der Naturgesetze, die immer und überall gelten. Damit erreichen wir eine immer bessere Welt. Sehr empfehlenswert dazu sind die Bücher von Stephen R. Covey: die 7 Wege zur Effektivität und Schnelligkeit durch Vertrauen.
    Lieben Gruß

    • Liebe Charlotte,

      ja, funktionierende und vor allem lernende Systeme sind etwas Wunderbares. Und das Schöne ist: An einer „besseren Welt“, wie du sagst, können wir alle mitbauen – jeder aus seinen eigenen Beweggründen und mit Herz & Verstand. Danke für den Covey-Tipp: Kommt auf die Leseliste!
      Viele Grüße aus dem Norden

    • Lieber Herr Stockhausen,
      war mir ein Vergnügen! Über Herzensthemen schreibt sich’s ja am schönsten.
      Viele Grüße
      Stephanie Wagner

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