Führung mit Liebe?

Gestern ging’s um „Wann fühlst du dich stark & frei?“ und heute tatsächlich um Liebe. Der Timer läuft, ab jetzt 10 Minuten ohne Unterbrechung schreiben!

Führung mit Liebe? Ernsthaft?

Das ist doch nur was für Uschis, für weichgespülte Chefs, denen die Mitarbeiter auf der Nase rumtanzen oder bestenfalls was für Startups, die den Ernst des Lebens noch nicht verstanden haben. Die kommen schon noch dahinter, dahinter, wie der Hase läuft…

So denken viele, die noch im alten, tayloristischen Denken verhaftet sind. Aber es gibt auch Unternehmer jenseits der 50, die NICHT in einer „nicen“ Branche unterwegs sind und trotzdem anders ticken! Ich hatte vor ein paar Wochen ein wunderschönes Erlebnis, das ich gern mit euch teilen möchte.

Inhouse-Workshop bei einem Mittelständler in Süddeutschland. Zwei Tage haben wir mit der Geschäftsleitung und dem Team, das ausschließlich aus jungen, promovierten Naturwissenschaftlern besteht, intensiv gearbeitet, mit wunderbaren  Erkenntnissen, Ergebnissen und neuen Strategien:

Jeder hatte einen neuen Blick auf sich selbst, auf die Kollegen und auf das Unternehmen.

Am Ende des zweiten Tages Feedbackrunde: Dazu hatte ich diverse Postkarten und Edgar-Cards (die in Kneipen in Wandgestellen hängen) auf dem großen Tisch verteilt, um den wir saßen.

Jeder konnte sich zwei aussuchen, die in irgendeiner Form das ausdrückten, was er aus dem Workshop mitgenommen hat und sich anhand dieser Karten dann in der Runde dazu äußern.

Dann kam die Reihe an den Chef. Groß, breites Kreuz, Mitte Sechzig, hoch erfolgreicher Herzchirurg, der vor einigen Jahren nochmal gegründet hat und bei seinem jungen Team höchste Anerkennung genießt. Wortkarg (er hatte auch während der zwei Tage nicht viel gesagt), Respekt gebietend.

Schwieg erst mal ein paar Augenblicke (mein Adrenalinspiegel stieg, was kommt jetzt??) und zeigte dann die Karte, die er sich ausgesucht hatte:

Die habe ich schon viele Jahre, sie hat schon leichte Eselsohren, ist ein bisschen vergilbt und verkratzt. Er hielt sie hoch und sagte sehr bedächtig in die Runde:

„Dieser Spruch hat ganz viel mit Liebe zu tun. Das erinnert mich an ein Buch, das mich seit vielen Jahren begleitet, „Die Kunst des Liebens“, von Erich Fromm. Und ich verspreche euch etwas:

Ich baue hier mit unserem Unternehmen auch in Zukunft ein Haus für euch, in dem immer ganz viel Liebe drin sein wird und in dem jeder auf den anderen zählen kann.“

Schweigen. Nicken. Lächeln. Die ganze Tischrunde lächelt. Mehr Motivation und Identifikation geht nicht.

Ein besonderer Moment, den ich nicht vergessen werde. Das sind Unternehmer nach meinem Geschmack! Wunschkunden!

Eine wunderschöne Pointe: Das genannte Buch ist eines der wenigen, die ich noch von meinem Vater habe, eine Ausgabe von 1956. Ich wollte es seit Jahren lesen, inzwischen habe ich es endlich getan.

Führung mit Liebe: Das geht.

Das ist der vierte von 30 Artikeln, für den ich mir den Timer auf 10 Minuten gestellt und den ich in eins durchgeschrieben habe. Was es damit auf sich hat, kannst du im Artikel von Tag 1  „Neu: Gedankensprudel!“ nachlesen.

Wenn du auch ein Thema hast, zu dem du etwas von mir wissen möchtest: Immer gern! Oder falls du Lust hast, dich der #10minBlog-Challenge anzuschließen: Es machen schon einige mit, z. B. Inga , Stefanie und Martina.

 

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ja meine liebe Steffi,
    ich erinnere mich an viele Gespräche von uns zu diesem Thema 🙂
    Erst einmal wohlwollend und wertfrei an Menschen oder Themen ranzugehen ist die Basis für Liebe. Liebe in unterschiedlichster Form. Aber diese Liebe ist wiederum die Basis für die Lebensqualität von jedem von uns. Ob als Privatperson oder Unternehmer-/in. Klingt so einfach und ist doch eine der größten Herausforderungen. Aber es ist so wichtig und man muss es sich zunächst ja mal bewusst machen. Wenn du dazu beiträgst, dass das noch ganz viele Unternehmer-/innen verstehen, dann machst du die Welt wieder ein Stück besser.

    • Liebe Sue,
      vielen Dank; du hast wunderbare Worte gefunden für das, was mich beschäftigt und ja: Ich möchte die Welt retten 😉 – oder sie wenigstens erstmal ein Stück besser machen. Und wenn wir im Business schon mal mehr Vertrauen, Verlässlichkeit und Verbundenheit etablieren, sind wir als Unternehmer gut für die Zukunft gewappnet, und der Rest folgt dann auch noch. Schön, dass du dabei bist!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Bitte rechnen Sie: * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.