Digital oder nicht digital: Das ist hier die Frage.

In den letzten Tagen habe ich gefühlt ungefähr 100 Blogartikel mit Rückschauen und Ausblicken gelesen.

Allerorten wurden die fürs Geschäft so wichtigen strategischen Überlegungen angestellt: Wie gestalte ich mein Business weiterhin, was bleibt, was verändere ich, was kommt neu hinzu? Das große Thema war und ist die Digitalisierung von Beratungsprodukten in Form von Online-Kursen. Und wieder gefühlt hat das jeder Zweite entweder schon im Programm oder nimmt es 2016 in Angriff.

Megatrend, quasi.

Hm… Und ich so?

Ich habe mich durch all das hindurch gelesen und gedacht, tja – an das Thema Digitalisierung musst du nun wohl auch langsam ran.

Ein paar Beispiele: Maren Martschenko, die mich sowieso immer wieder aufs Feinste inspiriert, hat das für 2016 auf ihrer Agenda,  Ulrike Bergmann, die wunderbare „Mutmacherin“, bietet es ohnehin schon an und Marit Alke ist sogar darauf spezialisiert, für Berater Online-Produkte zu entwickeln.

Ja, dann los, oder? Weg vom 1:1-Business, nicht mehr Zeit gegen Geld tauschen, außerdem machen es „alle“ und wenn du up-to-date sein willst, geht kein Weg daran vorbei…

Und je mehr ich das dachte, desto unwohler fühlte ich mich damit.

Das Problem ist nämlich: Ich verbringe am liebsten so wenig Zeit wie möglich vorm Computer – spätestens nach zwei Stunden mag ich nicht mehr. Ich melde mich selbst immer mal wieder probeweise für irgendwelche Online-Formate an, denn zum Teufel, andere profitieren doch auch an davon! Aber ich  merke fast jedes Mal : Das ist einfach nicht meins.

Ich brauche Menschen, sprich ein Gegenüber.

 

Wie willst du leben_brand eins_quer

Das ist das Titelbild der brand eins vom Oktober 2015. Und wir wissen ja: Leben und Arbeiten sind eng miteinander verbunden. Deshalb ergibt sich aus dieser  Frage gleich die nächste:

Wie willst du arbeiten?

Das ist eine der wichtigsten Fragen an meine Kunden – und jetzt bin ich selbst mal wieder dran. Was also ist mir wichtig, was macht mich aus, was brauche ich, um Freude an meiner Arbeit zu haben? Auf meiner Über-mich-Seite steht:

„Was andere über mich sagen: ´Du bist so wahrnehmend…´“ .

Ja, genau das ist es. Ich muss die Menschen, mit denen ich arbeite, wahrnehmen können. Sie anschauen (nicht nur auf einem Bildschirm), ihnen zuhören (nicht nur via Skype oder Telefon), zwischen den Zeilen lesen und fühlen (nicht nur in einer Email), mich auf sie ausrichten, in ihre Schuhe steigen, sozusagen mit allen Sinnen.

Daraus entstehen Impulse, Ideen, die nächsten Schritte, die beste Beratung.

Das ist nämlich mein ganz persönlicher USP, denn genau das macht meine Arbeit unverwechselbar. Also ist auch für meinen geschäftlichen Erfolg eine wichtige Voraussetzung:

Ich brauche Gefühl: Ohne das taugt meine Arbeit nichts.

 

Übrigens: In Sachen Emotionen war das Jahr 2015 bis oben hin vollgepackt, die reinste Wundertüte! Ich habe dadurch in den letzten Monaten sehr viel gelernt – gestatten Sie mir einen kleinen Exkurs?

In diesem Blogartikel  habe ich das erste Mal mein meine Engagement in der Flüchtlingshilfe erwähnt. Seit dem Sommer habe ich nun viele Menschen aus verschiedenen Ländern, ihre Geschichten und Lebenswege kennen gelernt – und ich bin voller Bewunderung, Achtung und Respekt für die meisten von ihnen. Für den Weg, den sie gegangen sind, für ihre erstaunliche Haltung und die Fröhlichkeit trotz all der schlimmen Erfahrungen: sowohl in ihrer Heimat als auch während der Flucht. Und für den Mut und die Entschlossenheit, sich hier ein neues Leben aufzubauen.

Ich habe mit angepackt und zugehört, unterstützt, mich durch behördliche Formalien gearbeitet, ermutigt, habe mitgebangt und mitgelacht. Angefangen, arabisch zu lernen – Leute, das ist für mich die schönste Sprache ever; ich habe noch nie so viel Vergnügen an einer neuen Sprache gehabt! 🙂

Ich habe für mich selbst Dankbarkeit und Demut in einer neuen Dimension entdeckt. Nun bin ich sowieso nicht der Mensch, der 50 Paar Schuhe zum Glücklichsein braucht und trotzdem habe ich nochmal einen anderen Blickwinkel kennen gelernt:

Wenn ich mit nassen Schuhen nach Hause komme, stelle ich sie in den Heizungsraum – dann sind sie entweder am nächsten Tag trocken oder ich ziehe halt ein anderes Paar an. Machen Sie auch so, oder? Jetzt stellen Sie sich vor, Sie leben in einem Flüchtlingscamp mit 1.600 Menschen und haben nur ein einziges Paar Schuhe, das Ihnen in dem kalten, verregneten Sommer 2015 immer wieder komplett nass wird.

Das Problem ist: Sie kriegen die aber nicht trocken, weil in Ihrem 20-Personen-Zelt nämlich gar nichts trocknet: Was nass ist, bleibt es auch. Wenn Sie folglich tagelang mit nassen Schuhen herumlaufen und trotzdem nicht jammern, sondern mit den paar Deutschbrocken, die Sie in kurzer Zeit ganz fix gelernt  haben, immer noch lächelnd sagen „Alles gut…“ – dann lehrt mich das Dankbarkeit und Demut. Ganz einfach.

 

Seifenblasen.Blog

Lieblingsfoto. HH-Wilhelmsburg, Zentrale Erstaufnahme Dratelnstraße.

Ich habe in dieser ehrenamtlichen Arbeit auch an mir selbst neue Seiten kennengelernt: Fähigkeiten und Talente, von denen ich noch gar nichts wusste; ich habe erfahren, dass ich Dinge bewirken, organisieren und initiieren kann, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Dazu möchte ich hier nicht ins Detail gehen, aber es wird sich auf meine Arbeit auswirken, also kriegen Sie ohnehin was davon mit. 🙂

Noch ein ungeplanter, aber überaus erfreulicher Nebeneffekt: Unter all den vielen engagierten Helfern sind einige, mit denen sich auch sehr interessante berufliche Aspekte ergeben. Networking mit Menschen, die so ticken wie man selbst, war schon immer das Beste, oder?

Weiter geht’s mit der Frage „Wie will ich arbeiten?“. Die nächste wichtige Erkenntnis:

Ich brauche Bewegung.

Ich mag es nicht, den ganzen Tag an eine Tastatur gefesselt und zum Dauersitzen gezwungen zu sein Für mich ist es wichtig, raus zu können, ich bin ein Tageslicht- und Frischluftjunkie. Allein die Tatsache, dass ich zu meinem  Beratungsraum in Hamburg-Bergedorf mit dem Rad durch den Wald fahren kann, ist schon großartig!

Fazit: Nicht digital.

Zumindest nicht in der Beratung.  Im Gegenteil. Nur was gut ist für mich, kann auch gut sein für meine Kunden und damit für mein Business. Also gehe ich meinen eigenen Weg und da finde ich den hier zum Beispiel viel verlockender, nicht nur metaphorisch gesehen…

Waldweg1

Bei „Positionierung & Profilschärfung“…

…bleibt aber trotzdem nicht einfach alles beim Alten. Nachdem ich mir jetzt über den roten Faden klar geworden bin, entstehen hinter den Kulissen bereits neue Formate, die den frisch gewonnenen Erkenntnissen Rechnung tragen.

Einen neuen Ort für Workshops gibt es jetzt schon und meine Kunden aus dem Hamburger Osten werden sich freuen: Wir sind nur neun Kilometer von Bergedorf entfernt. Für alle gilt: Wir werden es dort richtig schön haben. Kleiner Ausblick gefällig?

 

Und noch etwas:

Es sind vier neue Herren in mein Leben getreten, die mir ebenfalls pfundweise Gefühl, Frischluft, Bewegung und neue Erkenntnisse auch für meine Arbeit beschert haben. Damit erfüllt sich eine jahrzehntelange Sehnsucht, der ich zuletzt als Teenager, aber noch nie auf so wundervolle Art und Weise nachgegangen bin. Den Chef der Truppe darf ich heute schon mal vorstellen:

Walter1

Gestatten: Das ist Walter.

Auch Walter und seine drei Kollegen bringen jede Menge frischen Wind und Inspiration in den Laden! Es bleibt also spannend – lassen Sie sich überraschen.

Und übrigens: Die Frage „Wie will ich arbeiten?“ dürfen Sie sich auch gern mal wieder stellen, nicht nur, weil ein neues Jahr begonnen hat. Und wenn Sie sich jemanden wünschen, der Ihnen dabei über die Schulter guckt und mit wohlwollender Hartnäckigkeit nachhakt: Lassen Sie uns doch mal darüber sprechen. Natürlich können Sie mir auch gern eine Mail schreiben, aber am meisten freue ich mich auf Ihren Anruf – Sie wissen ja, ich sitze nicht so gern am Computer. 😉

6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Steffi,

    danke für den wunderbaren Blogbeitrag, der mich so richtig freut!

    Auch ich werde überhaupt nicht warm mit den digitalen Angeboten und dachte lange, ich muss da auch mitmachen. Inzwischen weiß ich: Nein, das ist tatsächlich nichts für mich. Das bringt keine Saiten in mir zum klingen. Ich fühle mich eher verstimmt, wenn ich an Webinare denke und bewundere diejenigen, die damit toll klarkommen.

    Denn letztendlich sind Webinare (für mich) wie Frontalunterricht. Und den mochte ich noch nie, weil ich so ein haptisch-visueller Typ bin.

    Außerdem würde ich mich (wenn ich selber Webinare geben würde) in dem digitalen Wust drumherum verzetteln, weil mir Datenverwaltung einfach keine Freude macht. Bin froh, wenn ich 2016 endlich „The Weekly Wilma“ zum Laufen kriege.

    Ich freue mich darüber, dass du 2015 so wertvolle Erfahrungen gesammelt hast und sich für 2016 so spannende neue Optionen ergeben. Einfach wunderbar!

    Und ich freue mich schon darauf, bald mehr zu erfahren. Du verstehst es sehr gut, den Spannungsbogen zu straffen ;o)

    Ganz herzliche Grüße
    Sabine

    PS.
    Ich habe im letzten Jahr mal einen spannenden Artikel dazu gefunden, kennst du ihn?
    http://www.huffingtonpost.de/burkhard-may/kundenfang-psychologische-tricks_b_7721128.html

    • Liebe Sabine,

      du hast noch einen ganz wesentlichen Punkt angesprochen: Das Rumgehüsere mit dem digitalen Datenwust – ich würde wahnsinnig werden! 🙂 Vielen Dank für deine wunderbare Rückmelddung; ich freu mich sehr, dass dieses „I did it my way“ auf positive Resonanz stößt. Ein bisschen gezuckt habe ich ja schon dabei, mich auf die „gefühlsduselige Tour“ einzugrooven und das auch so kundzutun… aber nachdem die Entscheidung getroffen war, hat sich pure Erleichterung breit gemacht.

      Der Huffington-Post-Artikel ist SEHR interessant und zeigt ganz schön klare Kante. Ich habe vor ein paar Tagen zum wirklich allerersten Mal so einen kostenlosen Download von einer Coachingfrau, die ich nicht kannte, in Anspruch genommen und das Ergebnis war genau das nichtssagende Geschwafel, von dem in dem Artikel die Rede ist. So eine Überraschung…

      Und für den Spannungsbogen kann ich eigentlich gar nichts – der wölbt sich einfach von selbst ziemlich prachtvoll über meinem Leben. 😉
      Viele liebe Grüße,auch an die Damen!
      Steffi

  2. Liebe Steffi,
    es gibt eben Menschen oder Angebote, da passt das Digitale. Und gut, dass es das gibt!
    Für dich – das finde ich auch: Der direkte Kontakt zu deinem Gegenüber steht im Mittelpunkt. Wie schön, dass das für dich noch einmal richtig klar geworden ist.
    Und ich bin auch sehr gespannt auf deine neuen Pläne! Viel Erfolg – und alles weitere dann mündlich, ja? „wink“-Emoticon
    Herzliche Grüße
    Inga

    • Liebe Inga,
      du sagst es – und ich bin einfach richtig glücklich über die Möglichkeit, diese Vielfalt in meine Arbeit einfließen lassen zu können. Fürs Digitale habe ich dann ja auch dich als Expertin! Und berichtet wird in Kürze mündlich, dauert ja nicht mehr lange… 😉
      Liebe Grüße
      Steffi

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